Bundesrat: Pandemie-Massnahmen haben teilweise «Leid verursacht»

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Alters- und PflegeheimeBundesrat: Pandemie-Massnahmen haben teilweise «Leid verursacht»

Der Bundesrat hat zwei Berichte zur «besseren Bewältigung von künftigen Pandemien» verabschiedet: Demnach haben die Massnahmen in Alters- und Pflegeheimen «mancherorts Leid verursacht», wie der Bericht betont.

Unter SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider hat das Bundesamt für Gesundheit zwei Berichte verabschiedet, um die Pandemiebewältigung aufzuarbeiten. (Archivbild)
Die Massnahmen zum Schutz der Gesundheit von Bewohnenden und Personal in Alters- und Pflegeheimen hätten demnach «mancherorts Leid verursacht», so der Bundesrat. (Archivbild)
Die Mehrheit der älteren Menschen habe die Pandemie «gut bewältigt». Der Bericht hält aber fest, dass es nicht immer gelungen sei, die Schutzmassnahmen «verhältnismässig» auszugestalten. (Symbolbild)
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Unter SP-Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider hat das Bundesamt für Gesundheit zwei Berichte verabschiedet, um die Pandemiebewältigung aufzuarbeiten. (Archivbild)

20min/Stefan Lanz

Darum gehts

  • Der Bundesrat hat zwei Berichte zur Aufarbeitung der Pandemiebewältigung verabschiedet.

  • Mit Blick auf Alters- und Pflegeheime sei es «nicht immer» gelungen, die Schutzmassnahmen «verhältnismässig» zu gestalten.

  • Ausserdem habe die Pandemie einzelne Bevölkerungsgruppen psychisch stärker belastet.

  • Jüngere Menschen, Alleinlebende, Ärmere und Menschen mit Vorerkrankungen zeigten teilweise hohe Belastungswerte.

Um die Auswirkungen der Covid-Pandemie auf ältere Menschen und Menschen in Heimen aufzuzeigen, hat der Bund mehrere Studien aus den Jahren 2021 bis 2023 ausgewertet: Die Daten zeigen, dass die «Mehrheit der älteren Menschen» die Pandemie «gut bewältigt» habe.

Gleichzeitig hält der Bundesrat in seinem Bericht fest, dass es mit Blick auf die Selbstbestimmung von älteren Menschen und Personen in Heimen «nicht in allen Phasen der Pandemie» gelungen sei, die Schutzmassnahmen «verhältnismässig» auszugestalten: «Insbesondere bei Menschen in Heimen haben die Massnahmen auch Leid verursacht.»

Schlüsselerkenntnisse für die Bewältigung von Pandemien

Der Bericht verweist auf vier Schlüsselerkenntnisse für die Bewältigung künftiger Pandemien:

  • Besserer Einbezug der Perspektive von Betroffenen und bessere Förderung ihrer Selbstbestimmung: beispielsweise durch die Schaffung von Bewohnerräten in Heimen.

  • Besseres Bewusstsein für unterschiedliche Betreuungssituationen und Lebenswelten im Alter: Dazu gehört auch die Differenzierung möglicher Schutzmassnahmen zwischen Alters- und Sozialbereich.

  • Alters-, Pflege- und Wohnheime für Menschen mit Beeinträchtigungen müssen sich auf künftige Pandemien besser vorbereiten, wie der Bundesrat weiter festhält.

  • Im Allgemeinen müsse die Qualität der Langzeitversorgung von älteren Menschen in Alters- und Pflegeheimen verbessert werden, insbesondere im Bereich der medizinischen Versorgung.

Der Bundesrat betont, dass es eine «komplexe und ethisch anspruchsvolle Herausforderung» bleiben werde, die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und gleichzeitig mit differenzierten Massnahmen auf die unterschiedlichen Interessen und Lebenswelten der betroffenen Menschen Rücksicht zu nehmen.

Pandemie hat psychische Gesundheit belastet

Ferner stellt der Bundesrat fest, dass die Pandemie einzelne Bevölkerungsgruppen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung psychisch stärker belastet habe als andere.

Primär junge Menschen, Alleinlebende und Menschen in finanziell schwierigen Verhältnissen seien besonders stark betroffen. Gleiches gelte für Menschen mit psychischen oder körperlichen Vorerkrankungen: «Ihre Belastungswerte bleiben teilweise auch nach der Pandemie hoch», so die Medienmitteilung des Bundesrats.

Vornehmlich junge Menschen, Alleinlebende und Menschen in finanziell schwierigen Verhältnissen seien von der Pandemie besonders stark betroffen gewesen. (Symbolbild)

Vornehmlich junge Menschen, Alleinlebende und Menschen in finanziell schwierigen Verhältnissen seien von der Pandemie besonders stark betroffen gewesen. (Symbolbild)

Oliver Berg/dpa

Bei der Bewältigung künftiger Krisen müssten psychosoziale Aspekte möglichst früh berücksichtigt werden. Daneben sei es wichtig, dass die individuelle psychische Gesundheit grundsätzlich gestärkt werde – vornehmlich diejenige von Kindern und Jugendlichen.

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Schliesslich solle auch die Medienkompetenz gefördert werden, um junge Menschen für «schädliche Auswirkungen digitaler Medieninhalte wie etwa Diskriminierung oder Mobbing» zu sensibilisieren. Die beiden Berichte ergänzen die bereits vorliegenden Studien und Evaluationen von Bund und Kantonen zur Aufarbeitung der Pandemiebewältigung.

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