Covid-19Bei unseren Nachbarn steigen die Corona-Zahlen – und bei uns?
Sars-CoV-2 ist gekommen, um zu bleiben: In den kommenden Wochen und Monaten dürfte eine neue Welle bevorstehen. Laut Andreas Widmer ist ein Anstieg bereits bemerkbar.
Darum gehts
Die Corona-Fallzahlen steigen, aber Fachleute sprechen noch nicht von einer neuen Welle.
Eine Corona-Welle in Kombination mit saisonalen Viren wie Grippe könnte das Gesundheitssystem stark belasten.
Impfungen werden vor allem für Risikopatientinnen und -patienten empfohlen, um schwere Verläufe zu verhindern.
Ein Blick nach Österreich zeigt: Corona ist zurück. Auch in Deutschland spricht man bereits von einer Herbstwelle. Und bei uns? Und wie sieht es mit den Impfungen aus? Müssen wir sie auffrischen?
Befindet sich auch die Schweiz am Anfang einer neuen Corona-Welle?
«Es ist immer schwierig, den Beginn einer Welle genau festzulegen», meint Andreas Widmer, Infektiologe am nationalen Zentrum für Infektionsprävention. «Derzeit sehen wir noch eher ein Grundrauschen in den Fallzahlen, auch wenn ein Anstieg deutlich bemerkbar ist», erklärt Widmer. Die Zahlen des Bundesamts für Gesundheit BAG belegen das: In der Woche vom 2. September bis 8. September gab es 595 laborbestätigte Corona-Fälle. Im Sommer waren es rund 50 bis 150 Fälle weniger pro Woche.
«Diese Zirkulation liegt deutlich unter der grossen Fallzahl, die wir im letzten Winter beobachtet haben, aber auch über dem Wert, den wir im Sommer 2023 beobachtet haben.»
Bei dem Wasserforschungsinstitut Eawag spricht man noch nicht vom Beginn einer Welle. «Die Konzentrationen von Sars-CoV-2 im Abwasser deuten auf eine geringe Zirkulation in der Schweiz hin», so Tim Julian, Leiter der Eawag-Gruppe für Krankheitserreger und menschliche Gesundheit. Aber: «Diese Zirkulation liegt deutlich unter der grossen Fallzahl, die wir im letzten Winter beobachtet haben, aber auch über dem Wert, den wir im Sommer 2023 beobachtet haben.»

«Die Konzentrationen von Sars-CoV-2 im Abwasser deuten auf eine geringe Zirkulation in der Schweiz hin», so Tim Julian, Leiter der Eawag-Gruppe für Krankheitserreger und menschliche Gesundheit.
wise.ethz.chDer aktuelle Anstieg kommt laut Widmer früher als in den vergangenen Jahren. Der Infektiologe geht davon aus, dass die Zahlen in den kommenden Wochen und Monaten, wenn das Wetter kalt und feucht ist, weiter steigen werden. Denn dann treffen sich die Menschen vermehrt in den Innenräumen.
Steigen die Fallzahlen, weil die Immunität der Bevölkerung abnimmt?
Das sei durchaus möglich, erklärt Infektiologe Widmer, liegen doch die letzten Impfungen meist ein bis zwei Jahre zurück. Allerdings gebe es keine verlässlichen Messinstrumente, um den genauen Stand der Immunität in der Bevölkerung zu bestimmen. Widmer erläutert, dass es zwei Arten von Immunität gibt: einerseits den sehr kurzen Schutz vor einer Ansteckung auf den Schleimhäuten und andererseits den Schutz vor einem schweren Krankheitsverlauf durch Antikörper im Blut.
«Unsere Möglichkeiten, die Verbreitung einzudämmen, sind begrenzt.»
Während sich die Rate der Infektionen durch Impfungen kaum beeinflussen lasse, könne man die Schwere der Erkrankungen verringern. Widmer betont, dass die eigentliche Bedrohung in einer möglichen Überlastung des Gesundheitssystems liege, insbesondere wenn die Corona-Fälle zeitgleich mit saisonalen Viren wie Influenza (Grippe) und dem respiratorischen Synzytial-Virus (RSV) ihren Höhepunkt erreichen. Aktuell zeigen die Daten des BAG und Eawag nur wenige Fälle von RSV und Grippe:
Ein weiteres mögliches Risiko von Covid-Infektionen: Long Covid.
Was kann ich tun, um die Corona-Welle kleinzuhalten?
Widmer erklärt, dass «unsere Möglichkeiten, die Verbreitung einzudämmen, begrenzt sind». Dennoch sollten die Kapazitätsgrenzen in den Spitälern ernst genommen werden. Um Engpässe im Gesundheitssystem zu vermeiden, ist es daher wichtig, Rücksicht auf Risikopatienten zu nehmen. Das BAG rät, bei Erkältungssymptomen den Kontakt zu besonders gefährdeten Personen zu vermeiden. Zudem verweist es auf Massnahmen zur Reduktion der Übertragung von Atemwegserkrankungen, wie Husten und Niesen in ein Taschentuch oder die Armbeuge sowie das Tragen einer Maske. Besonders gefährdeten Personen empfiehlt es, eine FFP2- oder FFP3-Maske zu tragen, «weil diese gegenüber den chirurgischen einen besseren Schutz bieten.»
Weiter teilt es mit, dass das Tragen einer Maske und gesunde Raumluft sowohl bei Grippe als auch bei Covid die wichtigsten Massnahmen sind.
Grippe, Corona, RSV: Woher weiss ich, woran ich erkrankt bin?
Die Symptome von Atemwegserkrankungen wie Corona, Influenza oder RSV ähneln sich stark. Sicher feststellen, was man hat, lässt sich nur mit Tests. Widmer verweist auf Kombi-Selbsttests, die eine gleichzeitige Testung auf alle drei Viren ermöglichen.
Soll ich mich impfen lassen?
Das BAG gibt folgende Impfempfehlungen ab:
Grippe (Influenza)
Personen ab 65 Jahren
Schwangere und Personen, die in den letzten vier Wochen entbunden haben
Frühgeborene
Personen mit chronischen Erkrankungen
Personen, welche regelmässigen Kontakt mit den oben gelisteten Personen haben
Corona
Personen ab 65 Jahren
Personen ab 16 Jahren mit Vorerkrankungen
Personen ab 16 Jahren mit Trisomie 21Schwangere
Ein RSV-Impfstoff ist hierzulande bislang nur für Personen ab 60 Jahren verfügbar. Für Säuglinge soll laut BAG ab Herbst der monoklonale Antikörper Nirsevimab ab Oktober 2024 zur Verfügung stehen, wie Gynécologie Suisse schreibt.
Ich gehöre nicht zu diesen Grippe- und Corona-Risikogruppen. Kann es schaden, wenn ich mich trotzdem impfen lasse?
Nein. Laut Widmer verstärkt jede zusätzliche Impfung den Schutz für die Allgemeinheit. Je mehr Menschen geimpft sind, desto weniger schwere Krankheitsverläufe treten auf. Das bedeutet wiederum, dass die Belastung des Gesundheitssystems reduziert würde. Besonders der Schutz von Risikopatienten wird dadurch indirekt verbessert.
Hast du vor, dich gegen Grippe und/oder gegen Corona impfen zu lassen?
Wann ist der beste Zeitpunkt, sich impfen zu lassen?
Der Bund bietet die Grippeimpfung jedes Jahr ab Mitte Oktober an. Mit der Corona-Auffrischungsimpfung sollte man sich gedulden, bis die aktualisierten Impfstoffe da sind. Swissmedic hat die adaptierten Vakzine von Moderna und Biontech/Pfizer bereits zugelassen. Ab wann sie verfügbar sind, hängt von den Herstellern, den Impfempfehlungen der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF) und den Gesundheitsdirektionen der Kantone ab, so Swissmedic.
Wissen-Push
Abonniere in der 20-Minuten-App die Benachrichtigungen des Wissen-Kanals. Du wirst über bahnbrechende Erkenntnisse und Entdeckungen aus der Forschung, Erklärungen zu aktuellen Ereignissen und kuriose Nachrichten aus der weiten Welt der Wissenschaft informiert. Auch erhältst du Antworten auf Alltagsfragen und Tipps für ein besseres Leben.
So gehts: Installiere die neueste Version der 20-Minuten-App. Tippe oben rechts aufs Cockpit (drei Striche mit Kreis), dann auf «Mitteilungen». Wähle die gewünschten Themen aus und klicke dann «Weiter». Wähle nun, falls gewünscht, eine Region aus und klicke «Weiter». Beim Punkt «Themen» kannst du jetzt «Wissen» auswählen. «Bestätigen» klicken und du bist dabei!
Folgst du schon 20 Minuten auf Whatsapp?
Eine Newsübersicht am Morgen und zum Feierabend, überraschende Storys und Breaking News: Abonniere den Whatsapp-Kanal von 20 Minuten und du bekommst regelmässige Updates mit unseren besten Storys direkt auf dein Handy.