Listenhunde: Nach Attacke wird über Kampfhunde diskutiert

Aktualisiert

Hundeattacken«Die Rasse gibt auf jeden Fall eine Tendenz vor und dies zu leugnen, wäre fahrlässig»

Nachdem am Wochenende ein Pitbull eine Velofahrerin angegriffen und dabei schwer verletzt hat, wird erneut über «Listenhunde» diskutiert. Ein Hundehalter kämpft gegen das verbreitete negative Bild der Rasse.

Das sind die beiden Pitbulls von Stefan Kopp. Er kennt die Vorurteile gegenüber dieser Rasse und wehrt sich.
«Es muss das Bild in den Köpfen der Menschen geändert werden», so Kopp zu 20 Minuten. Viele seien zu wenig aufgeklärt.
«Jeder Hund kann mal aggressiv werden, unabhängig davon, welche Rasse es ist», so Manuela Albrecht, Hundetrainerin.
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Das sind die beiden Pitbulls von Stefan Kopp. Er kennt die Vorurteile gegenüber dieser Rasse und wehrt sich.

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Darum gehts

  • In Flawil hat ein Hund eine Velofahrerin angegriffen.

  • Dabei handelt es sich um einen American Pitbull.

  • Ein Hundehalter wehrt sich gegen die Vorurteile gegen diese Rasse.

  • Auch zwei Experten schätzen das Aggressionspotenzial von «Listenhunden» ein.

  • Weiter erklärt sie, wie man sich bei einer Hundeattacke verhalten sollte.

Das ist passiert

Vergangenes Wochenende kam es zu einer Hundeattacke in Flawil SG. Dabei hat ein Hund eine 73-jährige Velofahrerin mit einem Biss schwer verletzt und ihr einen Teil des Ohrs abgebissen. Beim angreifenden Hund handelt es sich um einen American Pitbull Terrier. Der Vorfall machte in der Region schnell die Runde und ein weiteres Mal wird das Thema «Listenhunde» heiss diskutiert.

Das sagt ein Hundehalter

Stefan Kopp (39) hält selbst zwei American Pitbulls und kämpft seit Jahren gegen das verbreitete Bild der Rasse an. «Es werden immer wieder falsche Tatsachen gegen diese Rasse gerichtet», so Kopp zu 20 Minuten. Damals habe er sich für diese Rasse aufgrund ihres Charakters entschieden: «Pitbulls sind sehr familiäre Wesen und anpassungsfähig.»

Der 39-Jährige kennt die Vorurteile gegen Pitbulls und hat es bereits selbst erfahren: «Die Leute haben Angst und machen einen grossen Bogen um mich oder verstecken sich sogar.» Doch wie kann man den Mitmenschen die Angst nehmen? «Es braucht Berührungspunkte, um das Bild in den Köpfen der Menschen zu ändern», so Kopp.

Weiter erzählt Kopp: «Das Problem ist, dass es immer wieder unverantwortliche Hundehalter gibt.» Darunter litten dann die Halterinnen und Halter sowie deren Hunde, die es richtig machten. Ausserdem sei es notwendig, Hundekurse und sogenannte Begegnungstrainings, in denen Alltagssituationen geschult werden, obligatorisch zu machen.

Das sagt eine Hundetrainerin

Manuela Albrecht (58) ist erfahrene Hundetrainerin und Tierpsychologin und kennt sich bestens mit den Vierbeinern aus. «Grundsätzlich kommen sogenannte Listenhunde nicht aggressiv auf die Welt», sagt Albrecht. Aber dennoch würden sie in gewissen Situationen aggressiv. «Genau wie jeder andere Hund auch», so die Expertin. Aggression zähle zum normalen Verhaltensrepertoir eines jeden Lebewesens. Der Unterschied seien jeweils die Folgen bei einem Angriff.

Bei einem Hundeangriff empfiehlt die 58-Jährige, möglichst nicht panisch zu werden. «Erzählen Sie das aber jemandem, der eben von einem solchen Tier gebissen wird», sagt sie. Wichtig sei es, den Hund nicht wegzuziehen. Vielmehr sollte man den Hund näher an das Opfer stossen. «Dadurch erschrickt der Hund und lässt im Idealfall los», sagt Albrecht.

Anderer Meinung ist der Hundetrainer Marc Welti. «Die Rasse gibt auf jeden Fall eine Tendenz vor. Dies zu leugnen, wäre fahrlässig», sagt Welti. Aber natürlich spiele am Schluss die Individualität des Tieres die Hauptrolle. Immer den Besitzern die Schuld zu geben sei aber nicht fair und entspreche nicht der Realität.

Genau wie bei uns Menschen gibt es viele unterschiedliche Charaktere. «Die einen können keiner Fliege etwas zu leide tun und die anderen Beissen bei jedem falschen Blick sofort zu», sagt Welti.  Hundeangriffe ganz zu vermeiden werde eher schwierig, solange es Hunde gibt. «Man kann aber versuchen, sie zu minimieren», sagt der Hundetrainer. Dabei soll man sich vor allem Gedanken über eine vernünftige Erziehung machen. 

Das sagt das Veterinäramt St. Gallen

In einigen Kantonen gibt es eine Liste für Hunde mit erhöhtem Gefahrenpotenzial – dies ist im Kanton St. Gallen nicht der Fall. Doch weshalb ist das so? «Der Gesetzgeber hat sich in der langen Revisionsphase des St. Galler Hundegesetzes intensiv damit befasst und ist zum Schluss gekommen, dass das kantonale Hundegesetz ohne zurechtkommt», sagt Thomas Christen, Amtstierarzt. Ausserdem werde kein Zusammenhang zwischen der Anzahl Hundeattacken in Kantonen mit und ohne Liste festgestellt. 

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