Brände, Stürme und HochwasserExtremwetter erschüttert weite Teile der Welt – das sind die Gründe dafür
Bilder von Stürmen, Waldbränden und Hochwassern sorgten in den letzten Tagen für Schlagzeilen. Wieso kommt es genau jetzt zur Häufung solcher Ereignisse? Ein Experte ordnet ein.
Waldbrände, Stürme und Überschwemmungen – das Video zeigt, wo in den letzten Tagen überall Ausnahmezustand herrschte.
20minDarum gehts
In den letzten Tagen beherrschten extreme Wetterereignisse rund um die Welt die Schlagzeilen.
Christoph Schär von der ETH Zürich erklärt, wieso sich solche Extremereignisse häufen.
Für ihn ist klar: Der Klimawandel ist der Grund dafür, aber nicht der alleinige.
Waldbrände in Griechenland, Überschwemmungen in Ostasien und Kanada, Stürme im Balkan und Norditalien, Mega-Hitze in Südeuropa und über 200 km/h-Windböen in der Schweiz: In den letzten Tagen wurden weite Teile der Welt von extremen Wetterereignissen heimgesucht. Die Frage drängt sich auf: Wieso genau jetzt? Christoph Schär, Experte für Klimawandel und Extremereignisse an der ETH Zürich beantwortet die wichtigsten Fragen.
Herr Schär, wie erklären Sie sich alle diese Extremereignisse innert wenigen Tagen?
Die zunehmende Häufigkeit solcher extremer Wetterereignisse ist ein klarer Beleg für den voranschreitenden Klimawandel. Dass sie sich alle aber genau jetzt innert weniger Tage ereignet haben, ist wahrscheinlich ein Zufall. Möglich ist aber, dass El Niño die Häufung solcher Ereignisse in diesem Sommer begünstigt.
Inwiefern trägt El Niño dazu bei?
Das Phänomen El Niño macht sich alle zwei bis sieben Jahre in antizyklischen Veränderungen von Wind- und Meeresströmungen bemerkbar und führt im globalen Mittel zu 0,1 bis 0,2 Grad wärmeren Jahren. Aber im Vergleich dazu macht der Klimawandel bereits beinahe 1,5 Grad aus. Obwohl El Niño einen Teil der Zunahme solcher Ereignisse erklären kann, liegt die Hauptverantwortung bei der Klimaerwärmung. Im Juli dieses Jahres wurde der heisseste Tag seit dem Jahre 1850 registriert und es ist davon auszugehen, dass dieses Jahr zum wärmsten der Geschichte wird. Je heisser es wird, desto häufiger wird es zu Dürren, Waldbränden und Unwettern kommen. Es ist davon auszugehen, dass solche Hitzesommer je länger je mehr zur Normalität werden.
Kann man von einem Wendepunkt sprechen?
Den Wendepunkt haben wir bereits vor rund 25 Jahren erreicht. Bereits damals war für die Klimaforschung klar, dass der überdurchschnittliche Temperaturanstieg nicht durch natürliche Klimaschwankungen erklärt werden kann. Negative Konsequenzen des Klimawandels sehen wir seitdem immer wieder: Die Hitzewelle 2003 in Europa führte unter anderem zu schlimmen Waldbränden in Portugal, 2018 gab es in Europa eine extreme Dürre und 2021 wurden Teile Deutschlands von schlimmen Überschwemmungen heimgesucht.
Wird es jedes Jahr schlimmer?
Dieses Jahr wird vermutlich - auch wegen El Niño - als Ausreisser nach oben herausstechen. Es ist gut möglich, dass die nächsten zwei, drei Jahre wieder kühler sein werden und es zu weniger extremen Wetterereignissen kommt wie aktuell. Längerfristig wird die Häufigkeit wegen der Klimaerwärmung aber zunehmen. In 30 Jahren wird man wohl sagen, dass das Jahr 2023 ein kühles war und es vergleichsmässig wenige Extremereignisse gab.
Was bedeutet diese Entwicklung für die Schweiz?
In der Schweiz wird es wegen des Temperaturanstiegs zwar im Sommer weniger häufig regnen, Starkniederschläge werden aber zunehmen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass Unwetter mit Downbursts wie in La Chaux-de-Fonds öfter auftreten. Durch die wärmeren Temperaturen gibt es mehr Wasserdampf in der Atmosphäre, was das Risiko von extremen Wetterereignissen erhöht. Gleichzeitig wird das Risiko für Überschwemmungen und Steinschläge steigen. Bereits heute werden Vorkehrungen getroffen, zum Beispiel durch einen Ausbau der Kanalisation. In den Daten zeichnet sich ausserdem ab, dass es in den vergangenen Jahren mit den steigenden Temperaturen zu mehr Hitzetoten kam. Dieses Problem wird in Zukunft noch grösser werden.
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