Miss Universe Switzerland: «Einfach nicht zeitgemäss» – Wollen Frauen überhaupt noch Miss werden?

Publiziert

Miss Universe Switzerland«Einfach nicht zeitgemäss» – Wollen Frauen überhaupt noch Miss werden?

Die Schweiz schickt seit letztem Jahr wieder eine Vertreterin an die Miss-Universe-Wahl. Doch gibt es überhaupt noch Frauen, die ihr Land so vertreten wollen?

Wie eine Strassenumfrage von 20 Minuten zeigt, sorgt die Miss-Wahl nicht überall für Begeisterung.

20 Minuten/Mikko Stamm 

Darum gehts 

  • Die strikten Auswahlkriterien für Miss-Kandidatinnen wurden letztes Jahr heruntergesetzt. 

  • Der Grund laut Lina Poffet, Direktorin von Miss Universe Switzerland: «Wir wollen uns nicht auf veraltete Klischees festlegen.»

  • Die Praktik von Miss-Wahlen erfreut sich jedoch nicht bei allen an Beliebtheit. 

Jung, schön und schlank: 13 Frauen wollen die Schweiz am 18. November an der Miss-Universe-Wahl in El Salvador vertreten. Erst seit letztem Jahr nimmt die Schweiz nach einer mehrjährigen Pause wieder am Schönheitscontest teil, die eigentliche Miss-Schweiz-Wahl fand 2018 zum letzten Mal statt. Lag es an den strikten Auswahlkriterien?

Weder verheiratet noch geschieden, mindestens 1,65 Meter gross und kinderlos: das war einmal für die Finalistinnen von Miss Universe Switzerland. Im letzten Jahr wurden die strikten Kriterien heruntergesetzt. Der Grund: «Miss Universe geht mit der Zeit, wir wollen uns nicht auf veraltete Klischees festlegen», sagt Lina Poffet, Direktorin von Miss Universe Switzerland. Welche Bestimmungen jedoch weiterhin gelten: Ein Alter zwischen 18 und 28 sowie der Auftritt im Bikini oder Badeanzug bei der Vorauswahl.

Laut Poffet gibt es noch immer viele Schweizerinnen, die sich eine Chance auf den Titel sichern wollen. «Miss Universe Switzerland zu sein, eröffnet den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, ihr Land international zu vertreten und ihre Schönheit, Intelligenz und Leistungen zu zeigen.» Zudem sei Miss Universe Switzerland eine positive Plattform zur Förderung von Frauen: «Wir unterstützen das Selbstvertrauen und das soziale Bewusstsein unserer Kandidatinnen.»

Ein Kindheitstraum oder überflüssig?

20 Minuten hat Lorena Santen (26), eine der Kandidatinnen für die diesjährige Miss Universe Schweiz-Wahl, besucht. Im Video erzählt sie, dass sie sich mit der Teilnahme einen Kindheitstraum erfülle. Wie eine Strassenumfrage von 20 Minuten zeigt, sorgt die Miss-Wahl jedoch nicht überall für Begeisterung: «Ich finde solche Veranstaltungen überflüssig. Ich weiss nicht, wofür sie da sind», sagt Klarissa (16) aus Winterthur. Insbesondere das geltende Schönheitsideal wird bei der Umfrage kritisiert: «Es gibt zwar mehr Diversität, doch am Ende gewinnen immer noch diejenigen, die dem Schönheitsideal entsprechen», so Sina (20) aus Obergösgen SO. Dana (16) aus Zürich sagt abschliessend: «Schönheitswettbewerbe wie Miss Universe sind einfach nicht mehr zeitgemäss.»

«Die Anzahl der schlanken Gewinnerinnen spricht doch Bände»

Philosophin und Medienwissenschaftlerin Martina Bernasconi begrüsst die Abschaffung der oben genannten Miss-Kriterien, kritisiert jedoch die Weite dieser Schritte: «Frauen jeden Alters sollten sich bewerben können.» Auch die mangelnde Diversität der Teilnehmerinnen spricht sie an: «Natürlich gibt es kein offizielles Höchstgewicht, aber die schlanken Gewinnerinnen sprechen doch Bände. Das klassische Schönheitsideal wird leider immer noch bevorzugt.».

So müsse auf eine zeitgemässe Ausgestaltung des Wettbewerbs geachtet werden. «Es wäre schön, wenn auch andere Geschlechter, Altersgruppen oder vermehrt Menschen mit anderer Hautfarbe mitmachen würden. Die Gesellschaft ist soweit, es ist Miss Universe, die hinterherhinkt.»

Deswegen bewerben sich die Frauen

Dennoch hätten Schönheitswettbewerbe ihre Berechtigung: «Es ist Teil unserer Gesellschaft und ein Bedürfnis, das in der Bevölkerung besteht», sagt Bernasconi. Für viele junge Menschen sei Schönheit ein Kriterium für Erfolg. «Man ist immer auf der Suche nach Bestätigung, vor allem in der Öffentlichkeit», sagt Bernasconi. In einer Zeit von bearbeiteten Bildern in den sozialen Medien sei ein solcher Wettbewerb eine Möglichkeit zu zeigen, dass man keinen Filter braucht. «Dazu kommt, dass ein solcher Wettbewerb oft ein Sprungbrett für eine Karriere in der Modebranche ist.»

Erst seit letztem Jahr nimmt die Schweiz nach einer mehrjährigen Pause wieder am Schönheitscontest Miss Universe teil. 
Nun versucht Lorena Santen (26) aus dem Aargau Miss Universe Switzerland zu werden.
Die letzte Miss-Schweiz-Wahl fand 2018 statt. Die  Gewinnerin: Jastina Doreen Riederer. 
1 / 4

Erst seit letztem Jahr nimmt die Schweiz nach einer mehrjährigen Pause wieder am Schönheitscontest Miss Universe teil. 

IMAGO/ITAR-TASS/ Sipa USA

Würdest du an einer Miss-Wahl teilnehmen? 

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung zählt

131 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen