Royales InterviewPrinzessin Märtha Louise: «Ich habe es gewagt, auszubrechen»
In den Medien wird sie oft belächelt, angefeindet und kritisiert. 20 Minuten hat Prinzessin Märtha Louise von Norwegen in Bad Ragaz getroffen und die Person hinter den Schlagzeilen kennengelernt.
Prinzessin Märtha Louise über ihre grössten Ängste und was der Tod ihres Ex-Mannes Ari Mikael Behn damit zu tun hat.
Philipp StirnemannDarum gehts
Prinzessin Märtha Louise von Norwegen (52) gastiert aktuell in Bad Ragaz, wo sie an der «The League of Leading Ladies Conference» als Speakerin und Workshop-Leiterin teilnimmt.
20 Minuten hat die Tochter von König Harald (87) und Königin Sonja (86) getroffen und mit ihr über den Druck der Presse, ihren Rücktritt aus dem Königshaus und ihre Spiritualität gesprochen.
«Obwohl meine Familie meine Spiritualität nicht verstehen kann, akzeptiert sie mich so, wie ich bin», sagt die 52-Jährige.
Prinzessin Märtha Louise, willkommen in der Schweiz. Wie ist Ihr Aufenthalt bisher?
Danke. Es ist unglaublich und wunderbar.
Sie sind als Mitglied der norwegischen Königsfamilie auch eine Person des öffentlichen Lebens. Sehen Sie das als Bürde?
Oh, das ist eine knifflige Frage. Es ist eine Belastung in der Hinsicht, dass ich viel Negativität zu spüren bekomme und das, seit ich 15 war. Die Leute neigen dazu zu denken, dass sie mich kennen, obwohl das, was sie wissen, Lügen sind. Aber es gibt auch wunderbare Situationen und ich habe das Glück, meine Weisheit und Fähigkeiten mit der Welt zu teilen. Das überwiegt das Schlechte.
Wären Sie gerne auch mal einfach nur Märtha Louise, die private Person?
Manchmal ja, aber dann erinnere ich mich daran, wie viel ich tatsächlich für die Welt tun kann, indem ich bin, wer ich bin und in die Familie geboren wurde, in die ich geboren wurde.
Die Kritik hat uns definitiv einander näher gebracht.
Vor wenigen Monaten sind Sie von Ihren königlichen Verpflichtungen zurückgetreten. Was hat sich seither verändert?
Nicht so viel, um ehrlich zu sein. Ich war damals schon sehr beschäftigt mit meiner Arbeit. Ich hatte mein Modelabel Hést und unseren Podcast «Heartsmart Conversations», den wir gerade gestartet hatten. Es ist grossartig, einen Ort zu haben, an dem man über all die spirituellen Dinge sprechen kann.
Ihr Verlobter Durek Verrett und Sie mussten bezüglich Ihrer Liebe und seines Jobs als Schamane viel Kritik ertragen. Hat das Ihre Beziehung beeinflusst?
Zum Glück haben wir eine sehr enge Beziehung. Aber natürlich ist es ein grosser Teil davon, dass wir es geschafft haben, das zu manövrieren. Alles im Leben ist eine Lektion und eine Möglichkeit für Wachstum. Es hat uns definitiv einander näher gebracht.
Sie sind sehr spirituell und sagen, Sie können mit Engeln reden. In Ihrem Podcast sprechen Sie offen über Ihre Geschichte. Macht Sie das nicht noch angreifbarer?
Ich habe 2007 angefangen und da war ich am verwundbarsten. Damals wussten die Leute nicht, dass ich spirituell bin. Es gab einen riesigen Shitstorm von Historikern, der Kirche, Psychiatern, Geschäftsleuten – alle waren gegen mich. Doch ich habe zwölf Jahre lang das Spiritual Center namens Soul Spring geleitet, und das hat mich stärker gemacht. Wenn es jemandem nicht gefällt, soll er nicht zuhören. Jeder macht seinen eigenen Weg und wir müssen den Weg von jedem respektieren.
Ich habe es gewagt, aus dem auszubrechen, was von mir erwartet wird, was ich tun oder sein soll, und es zu wagen, meinem eigenen Herzen zu folgen.
Hat Sie Ihre Familie in Bezug auf Ihre Gabe ernst genommen?
In unserer Familie sind wir immer offen mit diesen Dingen umgegangen. Obwohl sie es nicht versteht, akzeptiert sie mich so, wie ich bin. Das finde ich sehr gross von ihr und es ist wirklich wichtig.
Sie sind in der Schweiz für die «The League of Leading Ladies Conference». Was macht Sie zu einer Leading Lady?
Ich habe es gewagt, aus dem auszubrechen, was von mir erwartet wird, was ich tun oder sein soll, und es zu wagen, meinem eigenen Herzen zu folgen. Ich glaube, das wissen viele Menschen zu schätzen und sie trauen sich nun auch, das für sich selbst zu tun, was ich wirklich erstaunlich finde.
Sie sind Speakerin und zusammen mit Mari Manzetti und Lilli Bendriss machen Sie einen Workshop. Was ist das Wichtigste, das Sie den Menschen mitgeben möchten?
Dass man auf sein Herz hört. Wir lernen von klein auf, dass unser Verstand das einzig Wahre ist und neigen dazu, dem nachzujagen, was von uns erwartet wird – der Ausbildung, der Arbeit, der Familiensituation. So landen wir dort, wo wir glücklich sein sollten, stellen aber fest, dass wir es nicht sind. Wenn du anfängst, auf dein Herz zu hören, siehst du, wie sich das Leben verändert. Man fängt an, sich selbst zu respektieren und seine Ängste loszulassen.
Ein weiteres Thema ist Vertrauen. Können Sie das als Person des öffentlichen Lebens überhaupt?
Vertrauen war für mich mein ganzes Leben lang ein grosses Thema, weil ich nie wusste, ob die Leute mich mögen, weil ich ich bin, oder weil ich eine Prinzessin bin. Wem kann ich vertrauen, wer geht an die Presse, wer nicht? Doch ich habe gelernt, mich zurechtzufinden und zu erkennen, wer mich hintergeht und wer nicht. Ich bin mit übersinnlichen Fähigkeiten geboren und das hat mir sehr geholfen, die Menschen und ihr Leben zu lesen.
Verfolgst du die News rund um die Königshäuser?
Neben Ihrem Podcast, diversen Firmen und Büchern führen Sie auch ein Modelabel. Wie kam es zu Hést?
Durch eine Tragödie. Mein bester Freund ist an Krebs gestorben und hinterliess seine Frau mit zwei Kindern, Pferden und Hunden. Sie wusste nicht mehr, wie es weitergehen soll und hatte kein Einkommen mehr. Mit einer gemeinsamen Freundin gründete sie dann die Modemarke Hést und die erste Kollektion launchte im März 2020, als Covid aufkam. Es war auch ein halbes Jahr, nachdem mein Ex-Mann gestorben war. Sie wurden mein Zufluchtsort, es gab nur uns drei. Irgendwann fragten die beiden: «Warum machst du nicht mit? Du bist ohnehin immer hier.»
Zuletzt eine Frage zu Ihrem Vater: Wie geht es dem König nach seinen Operationen?
Es geht ihm sehr gut. Er ist heute im ganzen Land unterwegs. Also ja, es geht ihm sehr gut.
Wer ist Prinzessin Märtha Louise?
Prinzessin Märtha Louise ist das älteste Kind und die einzige Tochter von König Harald V. und Königin Sonja von Norwegen. Sie entstammt dem Haus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Nebenlinie des Hauses Oldenburg. Märtha Louise ist die grosse Schwester des norwegischen Kronprinzen Haakon Magnus von Norwegen.
Als sie am 22. September 1971 geboren wurde, galt noch der männliche Vorzug beim Erbe des Throns, weshalb Prinzessin Märtha Louise ihrem Bruder den Vortritt auf den Kronprinzen-Titel geben musste. Das wurde später geändert, weshalb Haakons Tochter Prinzessin Ingrid Alexandra den zweiten Platz der norwegischen Thronfolge einnimmt. Märtha Louise folgt hinter Ingrid Alexandras jüngerem Bruder Prinz Sverre Magnus auf Rang vier.
Ihre Karrieren und Beziehungen
Die Prinzessin begann 1990 ihre Karriere als Springreiterin und wurde sogar Mitglied der norwegischen Nationalmannschaft. Im Jahr 2000 erfolgte das Ende ihrer Reitkarriere. Mitte der 90er-Jahre machte Märtha Louise ihre Ausbildung zur Physiotherapeutin. Als Geistheilerin leitete sie von 2007 bis 2018 ein esoterisches Therapiezentrum.
15 Jahre lang war Märtha Louise mit Ari Mikael Behn verheiratet. Gemeinsam bekam das Paar drei Töchter. 2016 gab der norwegische Hof die Trennung bekannt, ein Jahr später erfolgte die Scheidung. Am ersten Weihnachtstag 2019 starb Behn im Alter von 47 Jahren durch Suizid.
Seit Mai 2019 ist die 52-Jährige offiziell mit dem Schamanen Durek Verrek liiert. Die Beziehung wird von vielen Norwegern kritisiert, das norwegische Königshaus hat sich von seinen Praktiken distanziert. So wurde der norwegischen Prinzessin im August 2019 untersagt, ihren royalen Titel geschäftlich zu nutzen. Mittlerweile sind die beiden sogar verlobt und geben sich im August in Norwegen das Jawort.
Der Rücktritt
Im November 2022 machte die Prinzessin bekannt, dass sie bis auf Weiteres keine offiziellen Aufgaben des norwegischen Königshauses mehr wahrnehmen wird. Sie habe dies in Abstimmung mit ihrem Vater König Harald V. und der engsten Familie entschieden. Sie wolle damit dazu beitragen, dass ihre eigenen Geschäftstätigkeiten und ihre Rolle am Hof deutlicher getrennt werden, hiess es in einer Mitteilung. Ihren Prinzessinnentitel behielt Märtha Louise auf Wunsch ihres Vaters weiterhin. Ihre Schirmherrschaften wurden hingegen von anderen Mitgliedern des Königshauses übernommen.
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