SchweizMilliarden-Angebot abgelehnt: Hätte die CS doch überleben können?
Ein Jahr vor dem Kollaps der Credit Suisse gab es offenbar eine Rettungschance – doch Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann lehnte ab.
Darum gehts
Im Frühling 2022 bot Bob Diamond an, die Investmentbank der Credit Suisse für fünf Milliarden Franken zu kaufen.
Axel Lehmann, CS-Verwaltungsratspräsident, lehnte das Angebot laut «SonntagsZeitung» ab.
Im Oktober 2022 führten Gerüchte über die Schieflage der Bank zu einem massiven Abzug von 87 Milliarden Franken an Kundengeldern.
Im März 2023 wurde die Credit Suisse in einer Notübernahme von der UBS übernommen.
Die Credit Suisse hätte offenbar eine Überlebenschance gehabt. Ein Jahr vor ihrem Zusammenbruch lag ein Kaufangebot für die Investmentbank vor, das die Bank hätte stabilisieren können. Doch Verwaltungsratspräsident Axel Lehmann lehnte ab, wie die «SonntagsZeitung» berichtet.
Im Frühling 2022 bot der US-Banker Bob Diamond an, gemeinsam mit Investoren die Investmentbank der Credit Suisse für fünf Milliarden Franken zu übernehmen. Zusätzlich lag ein Angebot über fünf Milliarden Franken für das Asset Management vor, und das Private-Equity-Unternehmen Apollo wollte sechs Milliarden Franken für das Derivategeschäft («Securitized Products») zahlen. Diese Verkäufe hätten der angeschlagenen Bank erhebliche Liquidität verschafft und eine Neuausrichtung ermöglicht, so die Zeitung.
Lehmann entschied sich dagegen
Diamond, ein früherer Spitzenmanager der Credit Suisse First Boston und langjähriger CEO von Barclays, reiste laut des Berichts persönlich nach Zürich, um Lehmann sein Konzept vorzustellen. «Ich schlug Axel vor, dass ich zusammen mit Investoren die Investmentbank der CS mehrheitlich kaufen würde. Die CS wäre danach noch mit 25 Prozent beteiligt gewesen. Ich bin überzeugt, das hätte die Dynamik geändert und der CS reelle Zukunftschancen geboten», erklärte Diamond später.
Doch Lehmann entschied sich dagegen. Die Investmentbank galt als belastender Faktor für die Credit Suisse. Analysten der Ratingagentur S&P stuften sie als «ineffizienteste Bank der Welt» ein. Seit Jahren hatte die CS den Bereich schrittweise verkleinert, was dazu führte, dass er nur noch in wenigen Bereichen wettbewerbsfähig war. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verschärften die Lage: Steigende Inflation und fallende Börsenkurse setzten sowohl der Investmentbank als auch der Vermögensverwaltung der CS zu.
Glaubst du, dass die Neuausrichtung der Credit Suisse eine Chance hatte, erfolgreich zu sein?
87 Milliarden Franken flossen ab
Im Juni 2022 beriet sich der Verwaltungsrat bei einer Strategiesitzung in Bad Ragaz SG. Eine konkrete Lösung wurde nicht gefunden, stattdessen bildete man eine Arbeitsgruppe. Einen Monat später verkündete Lehmann eine Neuausrichtung mit dem Ziel einer «stärkeren, einfacheren und effizienteren Bank mit nachhaltigen Erträgen». Ulrich Körner, ein ehemaliger UBS-Manager, wurde als neuer CEO eingesetzt.
Trotz dieser Massnahmen blieb die Lage kritisch. Als im Oktober 2022 Gerüchte über eine mögliche Schieflage der Bank aufkamen, kam es zu einem massiven Abzug von Kundengeldern. Innerhalb weniger Tage flossen 87 Milliarden Franken aus der Bank ab.
«Die CS hatte kein Interesse mehr»
Diamond erkundigte sich laut «SonntagsZeitung» im September 2022 erneut, ob die Credit Suisse an einem Verkauf interessiert sei, habe jedoch eine Absage erhalten. «Die CS hatte kein Interesse mehr, da sie eigene Pläne verfolgte», so Diamond. Stattdessen entschied sich der Verwaltungsrat, das Geschäft mit verbrieften Produkten an Apollo zu verkaufen und die Investmentbank unter dem Namen First Boston neu aufzustellen. Die Leitung sollte Verwaltungsrat Michael Klein übernehmen, der auch am Strategieprozess beteiligt war.
Ob ein Verkauf der Investmentbank die Credit Suisse tatsächlich gerettet hätte, bleibt offen. Fest steht, dass die Bank letztlich nicht mehr aus der Krise herausfand. Im März 2023 wurde sie in einer Notübernahme von der UBS übernommen.
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