SchweizVolks- und Ständemehr: SVP will höhere Hürden für EU-Paket
Bei der Abstimmung zum EU-Abkommen soll das einfache Volksmehr nicht ausreichen. Die SVP hat dazu eine Inseratekampagne gestartet.
Darum gehts
Die SVP fordert ein Ständemehr bei der Abstimmung über das Rahmenabkommen mit der EU.
Eine Inseratekampagne zeigt die drei Eidgenossen beim Rütlischwur und betont die Forderung.
Der Bundesrat und das Bundesamt für Justiz prüften die Rechtslage; ein Gutachten sieht ein einfaches Mehr als ausreichend an.
Die SVP setzt sich für ein Ständemehr bei der EU-Abstimmung ein. Am Sonntag vor dem 1. August startete die Partei eine grosse Inseratekampagne, die in der «SonntagsZeitung» und im «SonntagsBlick» erschien. In den Anzeigen, die die drei Eidgenossen beim Rütlischwur zeigen, fordern die sieben SVP-Ständeräte, dass eine Einigung im Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU nicht nur vom Volk, sondern auch von den Kantonen gutgeheissen werden muss.
Aktuell verhandeln zahlreiche Beamte ein umfangreiches Abkommen, das die Beziehungen neu ordnen soll, mit einem Abschluss bis Ende des Jahres.

Auf dem Inserat der SVP sind alle Ständeräte der Partei abgebildet.
Screenshot/SonntagsZeitungEinfaches Mehr sei ausreichend
Das Thema des doppelten Mehrs ist politisch brisant, obwohl es bis zu einer Volksabstimmung noch Jahre dauern könnte. Ein Ständemehr würde die Hürde für eine Zustimmung erhöhen, insbesondere in konservativen Kleinkantonen.
Der Bundesrat hat dem Bundesamt für Justiz (BJ) den Auftrag gegeben, die Rechtslage zu klären. Das Gutachten kam zu dem Schluss, dass ein einfaches Mehr ausreichend sei, da die Verfassung kein obligatorisches Referendum für solche Fälle vorsehe.
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Unterstützung aus dem bürgerlichen Lager
Hannes Germann, SVP-Ständerat aus Schaffhausen, hält ein doppeltes Mehr für zwingend, insbesondere wegen der möglichen dynamischen Rechtsübernahme aus der EU, wie die Zeitungen der Tamedia schreiben. Andere prominente Politiker wie FDP-Präsident Thierry Burkart und Mitte-Ständerat Pirmin Bischof unterstützen diese Ansicht, da sie tiefgreifende Auswirkungen auf das Schweizer Rechtssystem sehen.
Es gibt jedoch auch Stimmen, die das einfache Mehr als ausreichend betrachten, wie die Aargauer Mitte-Ständerätin Marianne Binder, die auf die Verfassung pocht.
Ständemehr
Das Ständemehr ist ein Abstimmungsverfahren, das bei Volksabstimmungen auf Bundesebene angewendet wird. Es stellt sicher, dass neben der Mehrheit der Bevölkerung (Volksmehr) auch eine Mehrheit der Kantone (Ständemehr) einer Vorlage zustimmen muss, damit diese angenommen wird.
Die Schweiz besteht aus 26 Kantonen, und für das Ständemehr ist die Zustimmung von mindestens zwölf der 23 vollwertigen Kantone erforderlich. Die sogenannten Halbkantone (Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Appenzell Ausserrhoden, Appenzell Innerrhoden, Obwalden und Nidwalden) zählen dabei jeweils als halbe Stimme. Das Ständemehr dient dazu, das föderale Gleichgewicht zu wahren und zu verhindern, dass grosse Kantone mit einer hohen Bevölkerungszahl die kleineren Kantone überstimmen können. Es ist ein Ausdruck des Föderalismus in der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
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