Uni Bern: SUB-Umfrage zeigt tiefe Wohlfühl-Werte

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Uni BernWirklich glücklich sind die Studis nur in einer Fakultät

Die SUB schlägt Alarm: Glaubt man ihrer neuesten Umfrage, steht es um das Wohlbefinden der Studierenden an der Uni Bern nicht zum Besten. Allerdings sind die Unterschiede zwischen den Fakultäten beträchtlich. 

«Bedenklich tiefes Wohlbefinden»: Die SUB zeigt sich besorgt über die neuesten Umfragewerte. 
Zwischen den einzelnen Fakultäten gibt es indes beträchtliche Unterschiede: Während Studierende der Vetsuisse besonders tiefe Werte aufweisen, sind Studis der Theologischen Fakultät überdurchschnittlich zufrieden. 
Die Uni Bern relativiert: Die Resultate seien aufgrund der geringen Rücklaufquote wenig aussagekräftig.
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«Bedenklich tiefes Wohlbefinden»: Die SUB zeigt sich besorgt über die neuesten Umfragewerte. 

20min/Simon Glauser

Darum gehts 

  • Die Studierendenschaft der Uni Bern (SUB) hat die Ergebnisse ihrer neusten Umfrage veröffentlicht. 

  • Insbesondere die niedrigen Werte zum mentalen Wohlbefinden lösen bei der SUB Besorgnis aus. 

  • Die Uni Bern relativiert: Die Resultate seien aufgrund der geringen Rücklaufquote wenig aussagekräftig.

Die Uni Bern ist keine Wohlfühloase – dieser Schluss lässt sich zumindest aus der neusten Umfrage der Studierendenschaft (SUB) ziehen. Bei der Erhebung der mentalen Gesundheit mit dem WHO-5-Well-Being-Index lag der Durchschnittswert unter allen Befragten auf einer Skala von 0 bis 100 bei 50,75. Zum Vergleich: Bei einem Wert unter 50 werden meist eingehendere Untersuchungen zu Symptomen einer Depression empfohlen (s. Box unten). Entsprechend alarmiert zeigt sich die SUB in ihrer Mitteilung: «Die Ergebnisse weisen auf ein bedenklich tiefes Wohlbefinden der Studierenden hin, was einen klaren Handlungsbedarf aufzeigt.»

Auffallend dabei ist, dass es zwischen den Fakultäten beträchtliche Unterschiede gibt. Während Studierende der Vetsuisse besonders tiefe Werte aufweisen (durchschnittlich 44,7 Punkte), sind Studis der Theologischen Fakultät überdurchschnittlich zufrieden (63,8). Die restlichen Fakultäten liegen entweder unter dem Schwellenwert 50 oder nur leicht darüber. Weiter zeigen sich Männer (55,5) zufriedener als Frauen (48,6) und non-binäre Personen (43,2). Schliesslich hat auch das Alter einen Einfluss auf das Befinden: Studierende zwischen 25 und 29 (53,6) und jene über 34 (54,0) fühlen sich wohler als die 30- bis 34-Jährigen (42,7). 

Die Studierenden der Theologischen Fakultät sind laut Befragung nicht nur am zufriedensten, sondern fühlen sich auch am gesündesten.

Die Studierenden der Theologischen Fakultät sind laut Befragung nicht nur am zufriedensten, sondern fühlen sich auch am gesündesten. 

20min/Taddeo Cerletti 

Über die Hälfte will mehr Podcasts

Die SUB kann sich die niedrigen Wohlfühlwerte nicht erklären. «Wir werden uns in nächster Zeit mit Studierenden und Uni austauschen, um die Gründe zu finden», sagt Vorstandsmitglied Sandro Arnet. Er gehe aber davon aus, dass mitunter die Vereinbarkeit von Studium und Job eine Rolle spiele. Mit seiner Vermutung dürfte Arnet richtig liegen: Der Aussage «Meine Arbeitstätigkeit ist eine Belastung für mein Studium. Sie kommt meinem Studium in die Quere» stimmte bei der Befragung fast ein Drittel der Studierenden voll und ganz zu, weitere 30 Prozent bejahten sie teilweise. Mehr als die Hälfte (51 Prozent) der Studierenden wünscht sich ausserdem mehr Vorlesungen, die zusätzlich zum Präsenzunterricht auch als Podcasts angeboten werden.

Einigen Studierenden schlagen aber auch Diskriminierung und sexuelle Belästigung auf die Psyche. Rund jeder Zehnte gab an, schon einmal an der Uni diskriminiert worden zu sein. Sowohl bei der erlebten wie auch bei der beobachteten Diskriminierung ist das Geschlecht der deutlich meistgenannte Diskriminierungsgrund. Besonders schlägt dies bei den non-binären Befragten zu Buche: Fast die Hälfte von ihnen sagte aus, schon einmal Ausgrenzung erlebt zu haben. Als Urheber der Diskriminierung werden vorwiegend Lehrpersonen und Mitstudierende genannt.

Uni relativiert Ergebnisse 

Die Uni Bern traut den erhobenen Werten indes nicht so ganz. Zwar sei die SUB-Umfrage ein wichtiges Instrument, um die Bedürfnisse und Interessen der Studierenden abzufragen, und der Umfragebericht beinhalte «viele interessante Befunde», räumt Sprecher Ivo Schmucki ein. Allerdings sei zu beachten, dass die Rücklaufquote lediglich rund elf Prozent betrage, «was eine Interpretation der Resultate schwierig und Rückschlüsse auf die Gesamtsituation der Studierenden kaum möglich macht».

So oder so: Die Uni setze sich für die psychische Gesundheit aller Universitäts-Angehörigen ein und strebe nach einem gesunden Arbeits- und Lernort, versichert Schmucki. In diesem Zusammenhang verweist er auf diverse Beratungsangebote für Menschen, die sich in belastenden Situationen befinden. Auch die Beratungsstelle der Berner Hochschulen unterstütze die Studierenden bei verschiedenen Anliegen: von der depressiven Verstimmung über Schwierigkeiten beim Homeoffice bis hin zur Laufbahngestaltung. 

Die SUB-Umfrage

Von den aktuell 11’809 Studierenden an der Uni Bern haben 1309 die SUB-Umfrage 2023 vollständig ausgefüllt. Die Umfrage beinhaltet die Themen Studieren mit Kind, Studieren und Wohnen, Studieren und Arbeiten, Mobilität und Austausch, Campus, Lehre und Wohlbefinden im Studium. 

Zur Erhebung des mentalen Wohlbefindens wurde der WHO-5-Well-Being-Index verwendet. In diesem kurzen Fragebogen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) geben die Befragten anhand einer Bewertung (Skala von 0 bis 5) von fünf Aussagen an, wie sie sich in den zwei letzten Wochen gefühlt haben (zum Beispiel: «In den zwei letzten Wochen war ich froh und guter Laune»). 

Der Indexwert wird durch einfache Summierung der fünf Itemwerte gebildet, wobei sich ein Maximalwert von 25 ergibt. Dieser Wert wird mit vier skaliert, um ein Ergebnis zwischen 0 und 100 zu erhalten. Höhere Werte zeigen ein besseres Wohlbefinden an.  

Der WHO-5-Index dient auch als Screening-Instrument für das Vorliegen einer Depression. Ein Wert von ≤50 deutet auf ein schlechtes Wohlbefinden hin und legt weitere Untersuchungen zu möglichen Symptomen einer Depression nahe. Ein Wert von 28 oder weniger ist ein Hinweis auf eine Depression.

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