USASo unzuverlässig ist die «bewährte» Stickstoff-Exekution wirklich
Als erster Häftling in den Vereinigten Staaten wurde Kenneth Smith mit Stickstoff hingerichtet. Während Experten warnen, jubelt der Justizminister von Alabama.
Darum gehts
Erstmals hat Alabama einen Häftling per Stickstoff hingerichtet.
Obwohl es bei der Premiere Probleme gab, spricht der Justizminister bereits von einer «bewährten» Methode.
Menschenrechtler und Experten widersprechen entschieden.
Erstmals hat ein US-Bundesstaat am 26. Januar einen Häftling, der zur Todesstrafe verurteilt wurde, mit Stickstoff getötet. Der 58-jährige Kenneth Eugene Smith starb etwa 20 Minuten nachdem ihm die Stickstoff-Maske aufgesetzt wurde.
Versuch am Menschen
Mehrere Minuten lang soll der verurteilte Mörder noch bei Bewusstsein gewesen sein, wie der Pfarrer Jeff Hood berichtet. «Wir haben nicht gesehen, wie jemand nach 30 Sekunden ohnmächtig wurde. Was wir sahen, war ein minutenlanger Überlebenskampf», so Hood, der der Hinrichtung beiwohnte. Im Vorfeld berichtete der Bundesstaat Alabama stets, dass die Straftäter bei der Stickstoff-Methode bereits nach wenigen Sekunden in ein Koma fallen würden.
Schon damals kritisierten unzählige Menschenrechtsexperten, aber auch viele Wissenschaftler die Methode als viel zu unerprobt und unzuverlässig. Denn Smith diente dem Bundesstaat als Versuchskaninchen: Als Erster wurde er mittels Stickstoff getötet, in Mississippi und Oklahoma, wo die Hinrichtungsmethode gesetzlich erlaubt ist, wurde noch nie Stickstoff für eine Exekution eingesetzt.
«Haben Historisches erreicht»
Trotzdem brüstet sich der Justizminister Steve Marshall mit der Exekution: «Alabama hat etwas Historisches erreicht», verkündete er nach Smiths Tod. Mit Alabamas «bewährter Methode» hätten andere Staaten nun eine Blaupause – dass schon bei der allerersten und bisher einzigen Stickstoff-Exekution nicht alles rund lief, liess er unerwähnt.
Wie stehst du zur Todesstrafe?
Laut Studien kann das Ersticken durch Stickstoff vor dem Tod Panik, Schmerzen und hohen Stress auslösen. Mittlerweile wird es nur noch bei Truthähnen und Hühnern eingesetzt, die US-Vereinigung der Veterinäre bezeichnete Stickstoff zur Einschläferung von anderen Tieren in ihren Richtlinien gar als «inakzeptabel».
Eigentlich sollte Kenneth Eugene Smith bereits tot sein, wäre die Hinrichtung durch die Giftspritze im vergangenen November nicht fehlgeschlagen. Danach wurden alle Hinrichtungen gestoppt und eine Untersuchung eingeleitet – trotzdem will die Gouverneurin Kay Ivey auf Stickstoff setzen.
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