Swisscoy: Was machen Schweizer Soldaten im Kosovo?

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SwisscoyWas machen bewaffnete Schweizer Soldaten konkret im Kosovo?

Was machen die Schweizer Soldaten von Swisscoy im Kosovo? Wie lautet ihre Mission – und wie gefährlich ist diese jetzt? Die wichtigsten Antworten im Überblick. 

Darum gehts

  • Im Kosovo verschärfen sich die Spannungen zwischen Kosovaren und Serben wieder. 

  • In diesen Momenten sind die Soldaten und Soldatinnen der Nato-Truppe KFOR gefragt, welche die Sicherheit gewährleisten sollen.

  • Auch die Schweizer Armee ist vor Ort, mit der bewaffneten Swisscoy-Truppe.

  • Wie gefährdet diese ist, wofür sie steht, wie viele Leute sie umfasst und was ihre Aufgaben sind, ist im Q&A nachzulesen. 

Die Nato-geführte Kosovo-Sicherheitstruppe Mission Kosovo Force (KFOR) ist für den Schutz des äusseren und inneren Friedens zuständig sowie für die Aufrechterhaltung der Bewegungsfreiheit in der vormals serbischen Provinz. Das obige Video zeigt Radschützenpanzer der KFOR, die im Norden Kosovos Präsenz markieren.

An der Mission beteiligt sich auch die Schweizer Armee mit der Swisscoy – was für Swiss Company steht. Ihr  Einsatz geht auf den Bundesratsentscheid vom 23. Juni 1999 zurück. Der militärische Einsatz der KFOR wiederum basiert auf der UNO Resolution 1244. 

Wieso soll es die Swisscoy brauchen?

Übung des Freedom of Movement Detachements der KFOR, bei welcher Schweizer Armeeangehörige eine Strassenblockade räumen.

Übung des Freedom of Movement Detachements der KFOR, bei welcher Schweizer Armeeangehörige eine Strassenblockade räumen.

Swissint

Die Beteiligung an den Friedenstruppen soll zur Sicherheit und Stabilität in der Region beitragen – auch, weil rund 400'000 Menschen von dort in der Schweiz leben. Kommt hinzu: Gerade jetzt ist der Norden Kosovos nicht mehr unter voller Kontrolle der kosovarischen Behörden – immerhin haben vor dem Hintergrund neuer Spannungen im Nordkosovo vor einigen Wochen Hunderte Serben den kosovarischen Staatsdienst quittiert, darunter Beamte, Richter und Polizisten. 

Wie viele Schweizer Soldaten und Soldatinnen sind vor Ort?

Die Swisscoy setzt sich aus 195 freiwilligen Angehörigen der Armee zusammen. Davon sind 16 Prozent Frauen. 21 der Soldatinnen und Soldaten kommen aus der Romandie, fünf aus dem Tessin und einer aus der rätoromanischen Schweiz. Sie bleiben jeweils sechs Monate vor Ort. Als Nationaler Schweizer Befehlshaber (NCC) im Einsatzraum (Kosovo) amtet zurzeit Oberst im Generalstab Roman Camenisch.

Sind sie bewaffnet?

1999 waren die Swisscoy-Soldaten und -Soldatinnen auf den militärischen Schutz von österreichischen und deutschen Kameraden angewiesen. Erst seit der Anpassung des Militärgesetzes von 2002 tragen sie Waffen zur Selbstverteidigung: Pistole, Sturmgewehr und Reizstoffsprühgerät (RSG). 

Was machen sie konkret?

Ein Mechaniker der Swisscoy bei der Reperatur eines Fahrzeugs der Schweizer Armee.

Ein Mechaniker der Swisscoy bei der Reperatur eines Fahrzeugs der Schweizer Armee.

Swissint

Informationen durch Gespräche sammeln: Der Haupttätigkeitsschwerpunkt liegt bei den Liaison and Monitoring Teams (LMT). Sie sammeln Informationen, die sie durch Gespräche mit der Bevölkerung und den Behörden erhalten und dem Kommandanten der KFOR weiterleiten. Daneben kontrollieren sie, ob die Strassen in der Umgebung befahrbar und frei von Blockaden sind. Die LMT sind stets in Begleitung von lokalen Übersetzern und Übersetzerinnen. 

Barrikaden und Sprengstoff räumen: Ein weiteres Schlüsselinstrument der Swisscoy ist der Pionierzug, der gesperrte Strassen freiräumen kann. Mit dem Minenräumer Eagle V beseitig er allfällige Sprengfallen oder andere gefährliche Explosivmittel von den Sperren. Der GMTF, der geschützte Mannschaftstransporter der Swisscoy, schützt die Pioniere auf dem Weg nach vorne vor Steinwürfen und Beschuss. Die Sicherung der Bagger auf den Barrikaden übernehmen aber italienische oder ungarische Truppen.

Auch die Infrastruktur-Soldatinnen und -Soldaten sind wichtig. Sie machen rund zwanzig Prozent der Swisscoy-Truppe aus und sorgen dafür, dass die Schweizer Soldaten und Soldatinnen an den Standorten im Land mit Material, Wasser und Post versorgt werden und ihre Geländefahrzeuge fahrtüchtig sind. 

Sind sie im Kosovo gefährdet?

Wellnessen ist es bestimmt nicht, gerade vor dem Hintergrund der erneut wachsenden Spannungen im Norden des Kosovo. Es gibt fast täglich Provokationen und Ereignisse, die zu einer Eskalation führen könnten. Die Soldaten und Soldatinnen des Pionierzuges sind beim Räumen von Barrikaden exponiert. Wenn die KFOR eine Räumung beschlossen hat, kommen sie unter Schutz der anderen KFOR-Truppen zum Einsatz. Die KFOR stehe im Kosovo normalerweise nicht im Visier, heisst es aus dem VBS. 

Die Schweizer Armee lassen bei ihrem grössten Auslandeinsatz grösste Vorsicht walten, schreibt die NZZ. Und kommentiert: «Mehr Ehrlichkeit wäre wünschenswert: Die Schweiz hat Soldaten in den Kosovo geschickt, keine NGO-Vertreter oder Sozialarbeiter in Uniform.»

Gab es schon Tote?

Ja. Insgesamt gab es drei Todesfälle bei Swisscoy.* So verünglückte ein Soldat tödlich im Sommer 2007 bei einem Unfall mit einem Schützenpanzer. Im November des gleichen Jahres kam es zu einem  Suizid. 2016 verstarb ein Swisscoy-Angehäriger infolge Krankheit. 

Wo leben die Schweizer Soldaten und Soldatinnen?

Der Swiss Compound in Camp Film City, dem Hauptquartier der KFOR in Pristina.

Der Swiss Compound in Camp Film City, dem Hauptquartier der KFOR in Pristina.

Swissint

Die Swisscoy-Angehörigen sind  abhängig von ihrer Funktion in verschiedenen Camps stationiert. Etwa in Cmap Film City in Pristina selbst oder im Camp Bondsteel in der Nähe von Ferizaj im Südosten des Kosovo. Es gibt sogar ein Schweizer Chalet, das extra von Schreinern aus der Heimat aufgebaut wurde und als Ess- und Aufenthaltsgebäude dient. 

Privaten Ausgang gibt es für die Soldaten nicht, und sie dürfen ihre Camps ohne Spezialgenehmigung nicht verlassen – mit Ausnahme der Liaison and Monitoring Teams, die beruflich regelmässig Kontakt mit der Bevölkerung haben.

Wie lange dauert der Schweizer Einsatz schon?

Die Swisscoy ist seit 20 Jahren im Kosovo präsent. Im Oktober 1999 nahmen dort die ersten 160 Swisscoy-Soldaten ihre Arbeit auf. 

Wann endet er? 

Das Parlament hat im Juni 2020 einer erneuten Verlängerung des Mandats bis Ende 2023 zugestimmt und den Maximalbestand des Kontingentes auf 195 Armeeangehörige erhöht.

* In einer ersten Version hiess es, dass ein Schweizer Soldat diesen Sommer ums Leben gekommen sei. Das ist falsch, der tödliche Unfall mit einem Schützenpanzer ereignete sich 2007. Auch die Bilder sind mittlerweile aktualisiert. 

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