KarriereWird Alain Berset jetzt Chef der WHO?
Vieles deutet darauf hin, dass der scheidende SP-Bundesrat einen Posten bei der Weltgesundheitsorganisation anstrebt. Beobachter trauen ihm gar den Chefsessel zu.
Darum gehts
Nach zwölf Jahren tritt Alain Berset im neuen Jahr nicht mehr als Bundesrat zur Wahl an.
Der 51-Jährige sagt, die Zeit, etwas Neues zu machen, sei gekommen – lässt sich aber nicht in die Karten blicken, was das sein könnte.
Verschiedene Beobachterinnen und Beobachter sind sich aber einig: Vieles deutet darauf hin, dass Berset sich auf einen Posten bei einer internationalen Organisation vorbereitet.
Genug ambitioniert, um den Chefposten der Weltgesundheitsorganisation WHO anzustreben, sei Berset allemal.
Alain Berset ist ab dem neuen Jahr nicht mehr Bundesrat. Der 51-Jährige wird dann noch 14 Jahre bis zur Pension haben. Zu seinen Zukunftsplänen wollte Berset am Mittwoch nichts verraten. Diese acht Punkte deuten aber darauf hin, dass Berset einen Posten bei der WHO anstrebt – womöglich sogar den Chefposten, auch wenn er sich dafür noch ein paar Jahre gedulden müsste.
Sein Leistungsausweis
«Berset wäre prädestiniert für einen Posten bei der WHO», sagt Politikanalyst Mark Balsiger. Auch Felix Schneuwly, Gesundheitsexperte beim Vergleichsdienst Comparis und im Gesundheitswesen bestens vernetzt, sagt: «Ich ging schon länger davon aus, dass Berset seinen Rücktritt auf den Zeitpunkt timen wird, wenn ein Posten bei der WHO in Aussicht steht. Mit seinem staatsmännischen Auftritt, Kommunikationstalent, seinen Erfahrungen auf dem internationalen Parkett und als Gesundheitsminister ist er dafür prädestiniert.»
«Wenn es um seine Karriere ging, überliess er nie etwas dem Zufall»
Seine Ambitionen
Alle von 20 Minuten befragten Auskunftspersonen sind sich einig: Berset hat durchaus die Ambitionen, den Chefposten anzustreben. «Er fühlt sich auf dem internationalen Parkett wohl», sagt Balsiger. SVP-Aussenpolitiker Roland Rino Büchel ergänzt: «Berset lief am Mittwoch nicht mal rot an, als er sagte, dass er keine Pläne für seine Zukunft habe. Er zeigte sich in der Pandemie sehr WHO-konform und ist weltweit bestens vernetzt. Wenn es um seine Karriere ging, überliess er nie etwas dem Zufall und war stets sehr zielgerichtet. Das wird dieses Mal nicht anders sein.»
Diese Momente von Alain Berset werden uns in Erinnerung bleiben.
20minSeine Nähe zur WHO
Wie mehrere Lobbyisten und Beobachter des Gesundheitswesens gegenüber 20 Minuten sagen, sucht Berset schon länger die Nähe zur WHO mit Sitz in Genf. Bester Ausdruck dafür sind Bilder des Weltwirtschaftsforums 2023 im Januar in Davos: Sie zeigen Berset neben Tedros Adhanom Ghebreyesus, dem Generaldirektor der WHO, genannt Tedros.
Seine Afrika-Connections
Der WHO-Chef wird von den Mitgliedsstaaten gewählt und die afrikanischen Mitgliedsstaaten haben gemäss Beobachtern grossen Einfluss. Büchel sagt: «Der enge Austausch mit afrikanischen Staatsoberhäuptern in den letzten Monaten legt nahe, dass er bereits aktiv den Boden bereitet, um sich bei einer internationalen Organisation anzudienen.»
«Berset hat in den Augen der WHO während der Pandemie einen guten Job gemacht»
Einzigartige Erfolge
Berset ist mit der sogenannten Erklärung von Mailand ein Coup gelungen, der bei der WHO laut einer Kennerin Begehrlichkeiten wecken dürfte. «Berset hat es geschafft, dass die Nahrungsmittelindustrie Regulierungen beim Zuckergehalt zwar zähneknirschend, aber letztlich freiwillig der Überwachung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen untergeordnet hat.» Dieses wiederum untersteht Bersets EDI. «Das ist ein weltweit einzigartiges System.» Die Lobbyistin, die anonym bleiben möchte, sagt darum: «Gut möglich, dass Berset etwa erst die Abteilung für nicht übertragbare Krankheiten leiten würde, bevor er den Chefposten anpeilt.»
Seine Mehrsprachigkeit
Alain Berset spricht laut Balsiger acht Sprachen. Das hilft, wenn man sich in einer internationalen Organisation wie der WHO gut aufstellen will.
Seine Corona-Politik
Auch Bersets Corona-Politik könnte ihm bei der WHO Türen öffnen: «Berset hat in den Augen der WHO während der Pandemie einen guten Job gemacht. Damit konnte er sich profilieren und positionieren», sagt Schneuwly.
Mangelnde Konkurrenz und wackelnder Sitz
Der amtierende WHO-Generaldirektor Tedros wurde 2017 als erster WHO-Chef überhaupt aus mehreren Kandidaten gewählt. Bei seiner Wiederwahl 2022 gab es schon wieder keine Gegenkandidaten mehr. Tedros wurde für fünf Jahre gewählt. Schon früher wurde der Chefposten aber nach wenigen Jahren wieder vergeben.
Tedros ist ausserdem nicht unumstritten: Die zu späte Ausrufung der Pandemie, Nachgiebigkeit gegenüber China und der Austritt der USA aus der WHO haben seinen Ruf beschädigt. Rufe nach seinem Rücktritt wurden zuletzt lauter.
Ist Berset der richtige Mann für den WHO-Chefposten?
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