
In Kanada fällt 2026 das Patent für die Abnehmspritze Wegovy und das Präparat Ozempic – das gleiche Produkt, aber zur Behandlung von Diabetes zugelassen. Der Schweizer Pharmakonzern Sandoz will dann sofort mit einem Generikum auf den Markt.
IMAGO/NTBPatent fälltGünstige Schweizer Abnehmspritze kommt bald auf den Markt
2026 fällt in Kanada als erstes Land das Patent für die Abnehmspritzen Wegovy und Ozempic. Das Schweizer Unternehmen Sandoz bringt dann ein billigeres Generikum auf den Markt. Das wird den Preis drücken.
Adipositas-Medikamente sind derzeit heiss begehrt – und Ozempic oder das als Abnehmspritze zugelassene Medikament Wegovy stehen ganz oben auf der Wunschliste. Beide enthalten die gleichen Inhaltsstoffe und wirken mit Semaglutid. Bisher ist es teuer, doch bald wird es ein günstigeres Generikum geben: In Kanada fällt 2026 der Patentschutz der beiden Medikamente vom dänischen Unternehmen Novo Nordisk. Der Schweizer Pharmakonzern Sandoz wird dann ein Nachahmerprodukt auf den Markt bringen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Was heisst das für die Schweiz?
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Kanada testet den Preisrutsch
In Europa läuft der Patentschutz von Ozempic und Wegovy erst Anfang der 2030er-Jahre ab. Kanada geht 2026 voran. Die Nachfrage dort ist riesig – nur in den USA werden die zwei Spritzen noch häufiger verschrieben. Gute Chancen also, mit einem Generikum Erfolge zu landen. «Kanada wird unser erster Testmarkt sein», sagt Sandoz-Chef Richard Saynor gegenüber dem «Tages-Anzeiger». Er plant, dass das neue Medikament direkt nach Patentablauf bereitsteht.

Wegovy, Mounjaro und Saxenda sind die in der Schweiz aktuell zugelassenen Mittel zum Gewichtsverlust. In Kanada kommt ab 2026 ein Generikum zu Wegovy auf den Markt.
Getty ImagesPreiskampf um Nachahmerprodukte
Voraussichtlich wird das Generikum die Preise für Semaglutid-Spritzen senken. Es ist bekannt, dass Nachahmerprodukte deutlich günstiger sind als das Original, die Entwicklungskosten entfallen. Pharmaexperte Stefan Schneider von Schweizer Investmenthaus Vontobel sagt gegenüber dem «Tages-Anzeiger», dass er davon ausgeht, dass es mehr als ein Generikum geben wird. «Das wird den Preis drücken.» Das gilt auch, wenn die Produkte später zu uns kommen.
Was das neue Produkt von Sandoz kostet, ist bisher nicht bekannt und dürfte sich von Land zu Land unterscheiden. In der Schweiz liegen die monatlichen Kosten für Wegovy bei 190 Franken, in Deutschland bei 284 Franken.
Entlastung für Gesundheitssysteme
Für die Gesundheitssysteme wäre das eine Entlastung. Der Markt für die aktuell erhältlichen Abnahmeoptionen wird bis 2030 auf bis zu 150 Milliarden Dollar (rund 131 Milliarden Franken) geschätzt. Wie stark die bis dahin erhältlichen Generika den Wert beeinflussen, hängt auch davon ab, wie oft sie verschrieben werden und welche Krankenkassen die Kosten übernehmen. Und: Die Lieferengpässe, die aktuell für Ozempic und Wegovy bestehen, werden wohl selbst mit Generika bestehen bleiben – die Nachfrage ist einfach zu gross.
Entlasten Wegovy und Co. am Ende das Gesundheitssystem?
Schon jetzt wird darüber diskutiert, ob Abnehmspritzen neben Kosten langfristig auch Einsparungen generieren können. 20 Minuten hat nachgeforscht, wie die Chancen stehen.
Die Alternativen in der Schweiz
Schon heute sind in der Schweiz alternative Abnehmspritzen erhältlich. Der Wirkstoff muss allerdings bisher ein anderer sein, damit sie zugelassen werden. Mounjaro wirkt mit Tirzepatid, bei Saxenda ist es Liraglutid. «Bei allen in der Schweiz zugelassenen Medikamenten ist mit einer Gewichtsabnahme zu rechnen», so Endokrinologe Dr. Philipp Gerber gegenüber 20 Minuten. Was man dabei nicht vergessen darf: «Alle haben auch Nebenwirkungen, hauptsächlich in Bezug auf den Magen- und Darm-Trakt: Übelkeit oder sich verändernder Stuhlgang kommen vor.»

Mounjaro wird von keiner Krankenkasse in der Schweiz übernommen, ist aber für Selbstzahler bereits erhältlich.
IMAGO/NurPhotoÜbrigens: Der Name des Generikums von Sandoz ist bisher nicht bekannt. Zu rechnen ist aber mit einer Kombination aus Wirkstoff und Unternehmensnamen, wie es bisher bei fast allen Produkten des Konzerns der Fall ist. Wie «Semaglutid Sandoz» ankommt, ist ab 2026 zu beobachten.
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