KinderschutzAustralien machts vor: Social-Media-Verbot im Parlament
Rund 80 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer befürworten laut einer Umfrage ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige. In Australien wurde ein solches Verbot gerade beschlossen.
Darum gehts
Eine Umfrage von Leewas im Auftrag von 20 Minuten und Tamedia zeigt, dass rund 80 Prozent der Schweizer Bevölkerung ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige befürwortet.
Australien hat ein solches Verbot am Donnerstag beschlossen.
Dieses soll Kinder vor Cybermobbing und schädlichen Inhalten schützen.
Wie die Social-Media-Plattformen das Alter ihrer Nutzer überprüfen sollen, ist noch unklar.
Was ist passiert?
Am Mittwoch stimmte das australische Repräsentantenhaus mit 102 zu 13 Stimmen für ein Social-Media-Verbot für Kinder. Am Donnerstag folgte der Senat, das Verbot ist damit beschlossene Sache. Unter 16-Jährigen soll der Zugang zu Plattformen wie Tiktok, Facebook, Instagram und X verboten werden. Es ist das erste solche Gesetz weltweit.
Was soll das Gesetz erreichen?
Beim Gesetz gehe es darum, Kinder vor den «Gefahren» der sozialen Medien zu schützen, sagt der australische Premierminister Anthony Albanese. «Das ist ein globales Problem und wir wollen, dass junge Australierinnen und Australier eine Kindheit haben – und Eltern unbesorgt sein können.» Das Verbot soll für alle Kinder unter 16 gelten und sieht keine Ausnahmen für bestehende Nutzer oder solche mit elterlicher Zustimmung vor.
Diese Länder versuchten es bereits mit Verboten
2011 verabschiedete Südkorea ein «Shutdown-Gesetz», das es Kindern unter 16 Jahren verbot, zwischen 22:30 und sechs Uhr im Internet zu spielen. Die Vorschriften, die auf Widerstand stiessen, wurden später mit der Begründung aufgehoben, dass die Rechte der Jugendlichen «respektiert werden müssten».
Frankreich hat kürzlich ein Gesetz eingeführt, das soziale Medienplattformen dazu verpflichtet, den Zugang für Kinder unter 15 Jahren ohne elterliche Zustimmung zu sperren. Untersuchungen ergaben, dass fast die Hälfte der Nutzer das Verbot mit einem einfachen VPN umgehen konnte.
Wie soll das gehen?
Die Regierung schreibt den Tech-Unternehmen nicht vor, wie sie vorgehen sollen – ausser, dass Technologien zur Altersprüfung eingesetzt werden sollen. Stattdessen wird die Umsetzung der nationalen Internetaufsichtsbehörde überlassen.
Wie funktioniert die Altersüberprüfung?
Das ist noch unklar. Die Regierung will Tests durchführen und hofft, bis Mitte nächsten Jahres einen Bericht vorzulegen. Kritiker befürchten, dass wegen der Altersprüfungen Ausweispapiere jedes Australiers online gespeichert werden könnten. Die Internetaufsichtsbehörde äusserte die Idee, die ID eines Nutzers durch einen Drittanbieter zu anonymisieren, bevor sie an Webseiten zur Altersüberprüfung weitergegeben wird.
Tiktok sperrt Beauty-Filter für Minderjährige
Am Dienstag verkündete Tiktok eine Reihe neuer Massnahmen, um den Schutz für minderjährige User zu verbessern. So will die Plattform etwa neue Technik auf KI-Basis testen, um Accounts von unter 13-Jährigen automatisch erkennen und blockieren zu können, wie «Spiegel» schreibt.
Schon jetzt lösche Tiktok gemäss eigenen Angaben rund sechs Millionen Konten pro Monat, von denen es vermute, dass das Mindestalter nicht erreicht wurde. Damit sollen dann auch Beauty-Filter, die mithilfe von KI die Haut glätten, Augen und Lippen grösser und Wangenknochen definierter aussehen lassen, nur noch Volljährigen zur Verfügung gestellt werden.
Gibt es Ausnahmen?
Messenger-Dienste und Gamingseiten wären vom Gesetz ausgenommen. Auch Seiten, die ohne Konto zugänglich sind, wie etwa Youtube, wären nicht eingeschränkt.
Wann tritt das Gesetz in Kraft?
Die Social-Media-Plattformen haben jetzt ein Jahr Zeit, um die Altersbeschränkungen umzusetzen. Danach werden Strafen vollstreckt.
Auf welcher Social-Media-Plattform hältst du dich am meisten auf?
Was droht den Plattformen, wenn sie das Gesetz nicht umsetzen?
Der Gesetzesentwurf sieht Strafen von bis zu 50 Millionen australischen Dollar vor (rund 28,6 Millionen Schweizer Franken), wenn diese systematisch versäumen, junge Kinder davon abzuhalten, Konten zu erstellen oder zu besitzen.
Das sind die Kritikpunkte
Das Parlament treibe das Gesetz ohne ausreichende Prüfung voran. Es werde nicht funktionieren, berge Datenschutzrisiken und untergrabe die Autorität der Eltern.
140 Experten prangern an, dass das Verbot ein «zu plumpes» Instrument für das Problem sei. Zudem verstosse es gegen Uno-Richtlinien, die Regierungen dazu auffordert, jungen Menschen einen sicheren Zugang zur digitalen Welt zu gewährleisten.
Untersuchungen hätten ergeben, dass einige der am stärksten gefährdeten Gruppen, wie etwa LGBTQ+ oder indigene Jugendliche, sich online wohler fühlten als in der realen Welt.
Betroffene Eltern drängen auf neues Gesetz
Besorgte Eltern – und solche, deren Kinder aufgrund von Cybermobbing Suizid begingen – pochen auf neue Regelungen. Sie übergaben Premierminister Albanese eine Petition mit über 124’000 Unterschriften – die grösste weltweit für diese Thematik – in der sie die Erhöhung des Alterslimits von 13 auf 16 für Social Media forderten.
Eine Mutter, die ebenfalls für das Verbot lobbyiert, sagte gegenüber BBC: «Zu lange schon haben Eltern die unmögliche Wahl, entweder nachzugeben und ihrem Kind ein süchtig machendes Gerät zu besorgen oder zuzusehen, wie ihr Kind isoliert und sozial ausgegrenzt wird.»
Mit Material von AP, BBC, CNN und Spiegel.
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