Betroffene erzählt: «Erst als meine Stalkerin starb, fühlte ich mich wieder sicher»

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Betroffene erzählt«Erst als meine Stalkerin starb, fühlte ich mich wieder sicher»

Eine Stalkerin machte Irene Hauser das Leben zur Hölle. Mit 20 Minuten sprach die Zürcherin über die schwierige Zeit.

Irene Hauser wurde von ihrer Vormieterin gestalkt. 
Die 59-Jährige fiel in eine Depression und hatte Angst, ihre Wohnung zu verlassen. 
Hauser  unterstützt die Stop-Stalking-Petition, um auf das Thema aufmerksam zu machen.
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Irene Hauser wurde von ihrer Vormieterin gestalkt. 

20min/Ela Çelik

Darum gehts 

  • Eine Frau bedrohte und beschimpfte Irene Hauser aus Zürich fast ein Jahr lang. 

  • Die 59-Jährige fiel in eine Depression und hatte Angst, ihre Wohnung zu verlassen. 

  • Gegenüber 20 Minuten erzählt sie von der schwierigen Zeit. 

Wirre Notizen, Drohanrufe und Beschimpfungen: Über ein Jahr lang lebte die Zürcherin Irene Hauser in Angst. Der Grund war eine Stalkerin, die ihr das Leben zur Hölle machte. «Alles begann, als ich im Frühling 2020 in meine neue Wohnung zog. Drei Tage nach meinem Einzug klingelte eine offensichtlich betrunkene Frau an meiner Tür und sagte, dass ich aus der Wohnung raus müsse, da es ihre Eigentumswohnung sei», erzählt die 59-Jährige.

Verunsichert und beunruhigt habe sie die Tür geschlossen und sich bei der Verwaltung gemeldet: «Sie sagten mir, dass es sich um meine Vormieterin handelt und erwirkten ein Rayon- und Kontaktverbot bei der Polizei. Ein Nachbar erzählte mir dann, dass die Frau psychisch krank sei und unter Verfolgungswahn leide.»

Doch nach dieser ersten Begegnung habe der Horror erst richtig begonnen: «Die Frau hinterliess täglich Notizen mit Beschimpfungen, Drohungen sowie wirren, unverständlichen Aussagen an meiner Haustür. Zudem hinterliess sie Nachrichten auf dem Telefonbeantworter und schrieb E-Mails an meinen Arbeitgeber, in denen sie mich diffamierte, damit ich meine Stelle verliere.»

«Ich wusste nicht, was ich machen soll»

Mit Konsequenzen: «Ich fiel in eine Depression, litt unter Angstzuständen und zog mich komplett aus meinem sozialen Umfeld zurück. Ich hatte jeden Tag Angst, meine Wohnung zu verlassen.» Zudem habe sie nur noch vier Stunden pro Nacht geschlafen. «Der Schlafmangel führte zu Schwindelanfällen, zweimal habe ich sogar das Bewusstsein verloren. Ich konnte kein normales Leben mehr führen.»

Schliesslich habe sie sich an die Polizei gewandt: «Man nahm mich zwar ernst, eine Anzeige erstatten konnte ich aber trotzdem nicht.» Der Grund: «Die Frau hat mich beschimpft und verunglimpft. Sie hat mir aber nicht explizit mit dem Tod gedroht oder eine sonstige Straftat, die mich betraf, begangen.» Für Hauser frustrierend: «Ich wusste nicht, was ich machen soll, war tief verzweifelt und fühlte mich alleine gelassen.»

«Ich hatte Angst, wenn sie aus der Klinik kommt»

Um ihr Leben gefürchtet habe sie insbesondere nach einem Vorfall im Februar 2021: «Die Frau griff einen Mann, bei dem sie wohnte, mit einem Messer an und wurde danach für drei Wochen in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen. Der Vorfall zeigte mir, dass sie definitiv gewalttätig war. Ich hatte Angst, wenn sie aus der Klinik kommt.»

Doch es kam alles anders: «Sie starb im Juni 2021. Die Todesursache ist mir nicht bekannt.» Seither versucht die 59-Jährige, Schritt für Schritt in ihr altes Leben zurückzukehren: «Es ist so viel passiert und ich brauche noch Zeit, alles aufzuarbeiten. Auch wenn es sich irgendwie schlimm anhört, aber erst als meine Stalkerin starb, fühlte ich mich wieder sicher.»

In der Schweiz gibt es für Stalking keinen eigenen Straftatbestand. Der Nationalrat arbeitet zurzeit an einem neuen Gesetzesentwurf, der Stalking explizit unter Strafe stellen will. Die Vernehmlassungsfrist dauert bis zum 16. September. Das Gesetz tritt frühestens Anfang 2025 in Kraft. Für Hauser wäre dieses neue Gesetz sehr wichtig. Darum unterstützt sie auch die Stop-Stalking-Petition, um auf das Thema aufmerksam zu machen: «Es muss sich bei der Rechtslage endlich etwas ändern. Betroffene von Stalking müssen besser geschützt werden.» 

Experten beantworten hier die wichtigsten Fragen zum Thema Stalking.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Stalking betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Elternberatung, Tel. 058 261 61 61

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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