WirtschaftsverbandChristoph Blocher schiesst scharf gegen Economiesuisse
Nach der Kritik des Verbands an der Zuwanderungsinitiative schlägt der SVP-Alt-Bundesrat zurück. Den Dialogabbruch hält er für richtig.
Blocher kritisiert Economiesuisse: Darum gehts
Christoph Blocher greift Economiesuisse wegen Kritik an der SVP-Initiative an. Die SVP hat den Kontakt zu Economiesuisse derweil beendet.
Der Wirtschaftsverband nannte die Initiative eine «Gefahr für die Schweiz».
Blocher sieht die SVP näher an der Wirtschaft als Economiesuisse und meint, dem Verband und der FDP fehle der Mut.
Lange verstanden sie sich gut, die SVP und Economiesuisse. Magdalena Martullo Blocher sitzt gar im Vorstand des Wirtschaftsverbands. Spätestens seit letzter Woche aber herrscht dicke Luft. Der Verband kritisierte die 10-Millionen-Schweiz-Initiative der SVP aufs Schärfste und nannte sie «radikal» und «eine Gefahr für die Schweiz».
Es kam zum Bruch, die SVP kündigte den Kontakt – Martullo Blocher blieb aber im Vorstand. Im Interview mit der «SonntagsZeitung» schiesst nun aber ausgerechnet ihr Vater, Alt-Bundesrat und SVP-Doyen Christoph Blocher, zurück.
FDP und Economiesuisse fehle der Mut
Die Einwände des Verbands seien Floskeln von Wirtschaftsbürokraten. «Die Economiesuisse und die ihr angeschlossenen Wirtschaftsverbände sind nicht die Wirtschaft», so Blocher. «Viele Personen in diesen Verbänden haben noch nie ein Unternehmen wirklich von innen gesehen.» Anders sei das bei der SVP. «In Bern hat keine Fraktion so viele Unternehmer wie unsere Partei.»

Blocher sieht die SVP näher an der Wirtschaft als Economiesuisse.
Moritz Hager/Tamedia AGAuch die FDP bekommt Blochers Kritik ab. Die Freisinnigen hätten sich mit Economiesuisse gegen die Initiative verbündet. Einen Gegenvorschlag hätten sie aus Bequemlichkeit nicht gebraucht. «Die FDP und die Wirtschaftsverbände haben nicht den Mut, der EU und der Verwaltung die Stirn zu bieten und selber einen Gegenvorschlag auszuarbeiten», so Blocher. «Jetzt tun FDP und Economiesuisse plötzlich so, als gäbe es gar kein Zuwanderungsproblem.»
Martullo Blocher müsse selber entscheiden, ob sie bleibt
Den Dialogabbruch durch SVP-Präsident Marcel Dettling begrüsst Blocher. «Er hat die Gespräche über die beschränkte Zuwanderung beendet. Da macht ein Austausch in der Tat keinen Sinn mehr.» Ganz zuschlagen sollte man die Türe aber nicht.
«Die unsägliche Woke-Kultur scheint sich jetzt auch bei der Economiesuisse einzunisten.»
Zu Magdalena Martullo Blochers Position bei Economiesuisse meint Christoph Blocher, sie sässe für die SVP dort. «Ob sie dort bleiben will, muss sie entscheiden.» Dass seit letzter Woche auch intern ihre Zukunft beim Verband diskutiert wird, kritisiert er. «So sind die Verbandsbürokratien: Wer anderer Meinung ist, mit dem spricht man nicht. Die unsägliche Woke-Kultur scheint sich jetzt auch bei der Economiesuisse einzunisten.»
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