
Botulinumtoxin – besser bekannt unter seinem Markennamen, Botox – lähmt Muskeln und glättet so Falten. Aber was passiert, wenn man es über viele Jahre hinweg anwendet?
Pexels/CottonbroMuskelschwund?Das passiert, wenn du 20 Jahre lange Botox benutzt
Aktuell geht ein Video einer Frau viral, die nach 20 Jahren Botox eine Pause einlegt. Das Ergebnis? Immer noch ziemlich glatt. Eine Dermatologin schätzt ein, was am Video dran ist.
«Hast du dich je gefragt, was passiert, wenn eine Person 20 Jahre lang Botox benutzt und dann damit aufhört?» So beginnt die 55-jährige Tiktokerin Brenda Blay ihr Video. Die Auflösung liefert sie direkt im Anschluss, mit ihrem eigenen Gesicht: einem, das noch immer kaum eine Falte aufweist. Selbst wenn Brenda die Augenbrauen hochzieht oder versucht, böse zu schauen, passiert nicht viel in ihrem Gesicht. Ist das realistisch?
Brenda Blay zeigt, wie unbeweglich ihre Muskeln nach 20 Jahren Botox sind.
Tiktok/nursebblayDr. med. Marianne Meli, FMH Dermatologie und Venerologie und ärztliche Leitung der Zürcher Dermanence Klinik, schätzt den Clip ein: «Auf jeden Fall. Ein Muskel, der über längere Zeit gehemmt ist, wird träge. Etwa so, wie wenn man eine lange Zeit nicht mehr im Fitnessstudio trainiert hat.» Das Gesicht sehe dann auch, wenn sämtliches Botox bereits abgebaut wurde, noch frisch aus. «Man gewöhnt sich Gesichtsbewegungen, die unter der Einwirkung von Botox nicht mehr möglich sind, mit der Zeit ab.»
Was hältst du von kosmetischen Eingriffen?
Braucht es Pausen von Botox?
Auch die Tiktokerin selbst sagt: Bevor die Gesichtsbewegungen wieder so funktionieren wie zuvor, müssen Muskeln wieder aufgebaut werden. Bedenklich sei das nicht – man solle aber regelmässig Pausen von Botox einlegen, um Muskelschwund zu verhindern. In den Kommentaren gibt es Zustimmung: «Wenn ich keine Pausen mache, habe ich Angst, dass meine Augenbrauen zu hängen beginnen.» Hier relativiert die Dermatologin: «Durch Pausen wird Botox nicht wirksamer oder sicherer. Wer sich für den Eingriff entscheidet, kann ihn ohne lange Pausen zwischendrin wieder auffrischen lassen.»
Ein Gesichtsmuskel, der über längere Zeit gehemmt ist, wird träge. Etwa so, wie wenn man lange nicht mehr im Fitnessstudio war.
Für hängende Brauen hat die Expertin eine andere Erklärung parat: «Bei Schlupflidern gewöhnt man sich häufig an, die Augenbrauen konstant hochzuziehen, um diese zu kompensieren. Verwendet man dann Botox an der Stirn und kann die Bewegung nicht mehr ausführen, erscheinen die Augenbrauen tiefer, als man es gewohnt ist.» Auch ein Anwendungsfehler von ärztlicher Seite aus könne zu diesem Effekt führen – daher sei es umso wichtiger, auf einen kompetenten, qualifizierten Anbieter zu setzen.
Wann ist Auffrischen sinnvoll?
Dr. med. Meli erklärt, wann ein erneuter Botox-Eingriff sinnvoll ist: «Ist die Gesichtsbewegung wieder wie zuvor möglich, sodass sich eine Falte bildet, wenn man etwa die Brauen zusammenkneift, kann man die Behandlung wiederholen. Damit wird verhindert, dass die Mimikfalte zu einer dauerhaft bestehenden wird.» Diese Zeit variiert je nach Person: «Einige Patienten und Patientinnen brauchen ein halbes Jahr, bis sie die Bewegungen wieder ausführen können, andere bauen das Botox sehr schnell ab und müssen es bereits nach drei Monaten wieder auffrischen. Das ist sehr individuell.»