VereineMisstrauen, Abgänge, Vorwürfe – Wohltätigkeitsclubs in der Krise
Beim Schweizer Tierschutz gibt es Protest-Rücktritte. Auch beim Roten Kreuz rumort es. Und bei weiteren Vereinen.
Darum gehts
Beim Schweizer Tierschutz ist ein Streit um die Führung entbrannt.
Beim Roten Kreuz eskaliert die Situation ebenfalls: Nach einer Kündigung Ende Jahr ist nun die Präsidentin in der Kritik.
Jüngst kämpften auch die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft und der Verein Netzcourage mit Problemen.
Beim Schweizer Tierschutz (STS) ist ein heftiger Streit ausgebrochen. Der Moderator Kurt Aeschbacher sei aus dem Zentralvorstand ausgetreten, und auch Geschäftsleitungsmitglied Stefan Flückiger verlasse den Verein, berichtet «Inside Paradeplatz». Eine gut informierte Quelle bestätigt den Sachverhalt gegenüber 20 Minuten.
Im Artikel wird aus empörten Briefen zitiert, die zwischen ehemaligen und gegenwärtigen Vereinsverantwortlichen hin- und hergehen. So habe der frühere langjährige Direktor Hans-Ulrich Huber der Vereinsspitze geschrieben, so könne es nicht weitergehen, der Verein drohe in eine untere Liga abzusteigen betreffend öffentlicher Beachtung. Die Kritik gilt der Präsidentin Nicole Ruch. Die Betriebswirtschafterin und Bankerin präsidiert den STS seit Ende 2021.
Auffällig viele Vereine kämpfen oder kämpften in jüngster Zeit mit Personalproblemen. Eine Auswahl:
Schweizerisches Rotes Kreuz: Der Direktor Markus Mader wurde im Dezember 2022 entlassen, die Umstände wurden danach von einer externen Stelle untersucht. Nun liegt der Bericht vor, der die seit 2022 amtierende SRK-Präsidentin Barbara Schmid-Federer belastet. Sie habe im Rotkreuzrat und gegenüber Mader zu wenig Führungswille und zu wenig Mut gezeigt, sich schwierigen Situationen zu stellen.
Aus der Politik werden derweil Rücktrittsforderungen laut, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Um das Vertrauen wieder herzustellen, müsse womöglich der ganze Vorstand ausgewechselt werden, sagt SVP-Ständerat Alex Kuprecht. Schon in der Vergangenheit kam es immer wieder zu Spannungen. Schmid-Federer, die bis 2018 für die CVP im Nationalrat sass, und die übrigen Mitglieder des Rotkreuzrates weisen die Vorwürfe in einer schriftlichen Stellungnahme zurück.
Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft: 1810 gegründet, Besitzerin der Rütliwiese, kümmert sich um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Doch nun kam es im altehrwürdigen Verein, der seit Ende 2020 von Nicola Forster präsidiert wird, zum Streit. Forster ist auch Präsident der GLP Kanton Zürich und Mitgründer von Foraus und Operation Libero.
Der SGG-Vorstand habe an einer ausserordentlichen Sitzung entschieden, den Finanzvorsteher an der kommenden Versammlung im Juni zur Abwahl zu empfehlen, weil er eine politisch motivierte Kampagne lanciert habe, berichteten Medien. Der Vorstand spricht von einem Putschversuch von rechts, den es abzuwenden gelte. Der Betroffene weist die Vorwürfe zurück.
Schon zuvor hatte es Misstönte gegeben: Die «Woz» berichtete von zahlreichen Abgängen in wenigen Monaten. Zudem sei an der letztjährigen Versammlung eine 200’000-Franken-Kampagne kritisiert worden, von der ein Vorstandsmitglied mit seiner PR-Agentur mitprofitiert habe. Auch sei bemängelt worden, dass Präsident Nicola Forster das vorgesehene Organisationsreglement noch immer nicht vorgelegt habe.
Netzcourage: «Krach bei Netzcourage», titelte der «Tages-Anzeiger» Ende 2022. Der 2016 gegründete Verein der früheren Zuger Kantonsrätin Jolanda Spiess-Hegglin hilft Opfern von Cybermobbing und enttarnt Online-Stalker. Er sei eine Erfolgsgeschichte gewesen, bis er Ende 2021 von Unruhen erfasst wurde. Mitglieder verlangten mehr Transparenz und bessere Strukturen.
Ende 2021 traten die Co-Präsidentinnen Tamara Funiciello (SP) und Greta Gysin (Grüne) wegen strategischer Differenzen zurück und das eidgenössische Büro für Gleichstellung stellte die Subventionen ein. Ein halbes Jahr später gaben vier von sechs Vorstandsmitgliedern den Rücktritt bekannt. Danach übernahm der Journalist Hansi Voigt das Präsidium.
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