Güter in Bern: Wenn du hier einkaufen willst, musst du mitarbeiten

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Genossenschaft in BernWenn du in diesem Lädeli einkaufen willst, musst du mitarbeiten

Der «Güter» in Bern ist ein Genossenschaftsprojekt, in dem du Mitglied wirst, um Produkte einzukaufen. Es ist wohl das erste seiner Art in der Deutschschweiz.

Amena S. (30), Hannes S. (31), Brigitte L. (59) und Martin K. (35) sind Mitglieder beim genossenschaftlich organisierten Mitmachladen in Bern. Hier erklären sie, wie das Konzept funktioniert.

20min/Mara Wehofsky

Darum gehts

  • Die wohl erste Lebensmittel-Coop im Mitmachmodell in der Deutschschweiz hat in Bern ihre Türen geöffnet.

  • Ist man Teil der Genossenschaft, kann man dort regelmässig möglichst bio, regional und saisonal einkaufen gehen. 

  • Dafür muss aber auch mitgearbeitet werden.

Im «Güter» gibt es eine Küche, in der Tee gekocht wird; die Produktschilder sind handgeschrieben, das Gemüse steht neben den summenden Kühlschränken; im Hintergrund ist ein Baby zu hören. Im Oktober 2022 öffnete der erste genossenschaftliche Mitmachladen in Bern – eine sogenannte Food-Coop – seine Türen. Das Projekt verwaltet sich selbst, das heisst: Alle Mitglieder der Genossenschaft arbeiten selbst mit. 

Wie funktioniert das Konzept? Zweimal darf man zum Probe-Einkaufen kommen. Um mitzumachen, erwirbt man als Erstes einen Anteilsschein von mindestens 50 Franken und als Teil der Genossenschaft darf man nun im Laden einkaufen. Für mindestens zwei Stunden und 45 Minuten im Monat arbeitet man zudem im Laden mit.

In monatlichen Versammlungen wird entschieden, welche Produkte der Laden führt. Es werden Lebensmittel wie Getreide, Alkohol, frisches Obst und Gemüse und auch Käse und Milch, aber auch Klopapier, Kondome und Reinigungsmittel angeboten.

Durch Mitmachen mehr Nähe zum Produkt

Laut Amena S. (30) und Hannes S. (31), beide Gründungsmitglieder, läuft der Laden bis jetzt sehr gut. Über 200 Mitglieder zählt «Güter» nach drei Monaten. «Wir sind sehr offen für weitere», sagt Amena.

«Güter» ist laut den Gründerinnen und Gründern die erste Food-Coop im Mitmachmodell in der Deutschschweiz. «Die Preise können dank der Mitarbeit der Mitglieder und dadurch entfallenden Lohnkosten tiefer als in herkömmlichen Bio-Läden gehalten werden. Dennoch müssen wir zum jetzigen Zeitpunkt Anfangsinvestitionen sowie laufend Miete, Strom, Abfallgebühren, abgelaufene Produkte und so weiter finanzieren können», sagt Amena S. Eine Sache sei aber klar: «Je mehr Menschen mitmachen, desto mehr können wir anbieten und desto günstiger wird es dann auch.»

Brigitte L. (59) ist seit Oktober Mitglied: «‹Güter› ist was ganz Besonderes. Ich habe gemerkt, dass durch das Konzept mehr Nähe zu den Produkten entsteht. Es geht auch darum, dafür zu sensibilisieren, was wir alltäglich so konsumieren.»

Bio, solidarisch, regional, saisonal – achtest du auf solche Kriterien?

Solidarität und Nachhaltigkeit

«Das, was uns am wichtigsten ist? Ganz klar der Solidaritätsaspekt», sagt Amena S. «Bei ‹Güter› kann jede und jeder mitmachen. Im Moment sind wir zwar noch nicht sehr divers aufgestellt, aber wir möchten zugänglich für alle sein», sagt Amena S. Hierfür gibt es zusätzlich einen Soliverein: Man kann bei seinem Einkauf einen Anteil spenden, welcher in Form von Gutscheinen Menschen dient, die es sich normalerweise nicht leisten können, im Laden einzukaufen. 

«Wir versuchen, wo es geht, von kleineren Höfen und Produzierenden zu beziehen. Die Produkte sollen möglichst fair, ökologisch, regional und saisonal produziert sein. Und wir bieten auch ein paar Produkte zum Selbstabfüllen an», sagt Brigitte L. Bio-Fleisch aus der Region gibt es auch. «Wir haben längere Zeit diskutiert, ob wir zum Beispiel Kaffee anbieten möchten. Der wächst nicht in der Schweiz und ist immer mit einem ökologischen Fussabdruck verknüpft. Schlussendlich haben wir uns dazu entschieden, fairen Bio-Kaffee anzubieten, anstatt dass es gar keinen gibt», sagt Amena S. 

Engagement, Zeit und Koordination

Die Organisation des Projekts sei jedoch auch eine Herausforderung: «Die Schichtpläne zu erstellen, ist nicht immer ganz einfach», sagt Amena S. «Ein genossenschaftlicher Mitmachladen braucht viel Engagement, Zeit und Koordination, da alles auf Freiwilligenarbeit basiert.»

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