Schweden: Gang-Gewalt fordert sieben Tote innert zwölf Tagen

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SchwedenGang-Gewalt fordert sieben Tote innert zwölf Tagen

Ein Gang-interner Konflikt eskaliert derzeit in der schwedischen Stadt Uppsala, nördlich von Stockholm. Dabei sind mehrere Unschuldige erschossen worden – darunter eine 60-jährige Frau.

In Stockholm und der nördlich gelegenen Stadt Uppsala eskaliert die Gang-Gewalt seit einigen Wochen wieder.
Viele der Schiessereien werden einem internen Konflikt des Netzwerks «Foxtrot» zugeordnet. Auslöser für den Konflikt soll eine Schiesserei im türkischen Istanbul gewesen sein.
Nachdem am 7. September eine 60-jährige Frau in Uppsala erschossen worden war, erschossen Kriminelle einige Quartiere weiter am 12. September einen 25-Jährigen im Treppenhaus eines Wohnhauses. Die Polizei geht beim jungen Mann von einer Verwechslung aus – er war nicht vorbestraft und auf dem Weg zur Arbeit, als er getötet wurde. (Bild: 12. September)
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In Stockholm und der nördlich gelegenen Stadt Uppsala eskaliert die Gang-Gewalt seit einigen Wochen wieder.

IMAGO/TT

Schweden: Darum gehts

  • In der Region Stockholm kommt es in den letzten Wochen wieder vermehrt zu tödlichen Schiessereien.

  • Auslöser soll ein Gang-interner Konflikt des Netzwerks «Foxtrot» sein.

  • Bei den Schiessereien werden auch Familienangehörige und Unschuldige getötet.

Seit einigen Wochen spitzt sich die Lage in Schweden wieder zu. Seit Anfang September wurden bereits sieben Menschen Opfer der Gang-Gewalt – die letzten vier Monate waren es durchschnittlich fünf Tote pro Monat. Der Grund für die Eskalation dürfte ein interner Konflikt beim Netzwerk «Foxtrot» sein, das gemäss Polizei von Rawa Majid aka dem «kurdischen Fuchs» angeführt wird.

So soll sich das Netzwerk in zwei Gruppen geteilt haben: Eine Seite soll nach wie vor von Majid geführt werden, eine Gegenseite werde von seiner früheren rechten Hand Ismail Abdo, auch «Erdbeere» genannt, angeführt.

20 Minuten war im Frühjahr vor Ort in Stockholm, um über die eskalierenden Bandenkriege zu berichten.

20min

Mutter des Gegners erschossen

Ausgelöst wurde der Konflikt am 6. September in der Türkei. In Istanbul kam es zu einer Schiesserei zwischen mehreren schwedischen Staatsangehörigen. Fünf Männer wurden festgenommen. Am Tag darauf wurde in der nördlich von Stockholm liegenden Stadt Uppsala eine 60-jährige Frau erschossen – die Mutter von Ismail Abdo. Ein 19-Jähriger und ein 15-Jähriger wurden festgenommen.

Welche Rolle spielt die Türkei?

Nach Foxtrot-Anführer Rawa Majid wird in Schweden wegen Verdachts auf Drogenhandel und Vorbereitung zu Mord gefahndet. Majid befindet sich jedoch in der Türkei, hat die türkische Staatsbürgerschaft bekommen und steuert sein Netzwerk von dort. Schweden hat seine Auslieferung beantragt, die Türkei lehnte ab.

Seither folgte eine Welle von Schiessereien und Mordfällen. Eine Chronologie der letzten zehn Tage im Foxtrot-Konflikt.

9. September
Schüsse gegen ein Wohnhaus in Uppsala. Im Haus nebenan wohnt die Schwiegermutter von Rawa Majid. Sie ist sich sicher, dass sie das eigentliche Mordziel war.

12. September
Frühmorgens wird der 25-jährige Mongos Amanuel Tesfemariam im Treppenhaus seines Wohnblocks in Uppsala erschossen. Tesfemariam war nicht vorbestraft und auf dem Weg zu seiner Arbeit als Altenpfleger – sein Traum war es, Jurist zu werden. Im selben Block lebt ein älterer Mann mit Verbindungen zu Majid. Die Polizei geht davon aus, dass die falsche Person erschossen wurde.

13. September
Schüsse gegen ein Wohnhaus in Uppsala, in dem ein Verwandter von Majid lebt. Niemand kommt zu Schaden, die Polizei verhaftet einen 17-Jährigen mit Waffe in der Nähe des Tatorts. Gegen ihn laufen nun Ermittlungen wegen versuchten Mordes.

13. September
Abends wird der 19-jährige Giovanni in Vasastan im Zentrum von Stockholm erschossen. Er soll mit Majid verbündet gewesen sein und für ihn den Drogenhandel in Gävle geleitet haben.

15. September
In einem Mehrfamilienhaus in Upplands-Bro nördlich von Stockholm kommt es zu einer heftigen Explosion. Im Haus lebt eine Schlüsselfigur des Gang-Milieus mit Verbindungen zu Majid. Bereits im Januar kam es im selben Hauseingang zu einer Sprengung.

17. September
Ein Schönheitssalon in Uppsala brennt in der Nacht auf Sonntag. Die Polizei geht von einem Attentat aus, lokale Medien setzen den Brand mit dem Foxtrot-Konflikt in Verbindung.

 Libaan hat seinen Sohn durch Gang-Gewalt verloren. In der Reportage erzählt er seine Geschichte.

20min

13-jähriger Junge hingerichtet

Doch nicht nur der Konflikt im Foxtrot-Netzwerk sorgt für Schlagzeilen und Tote. Diese Ereignisse wurden von der Polizei bisher nicht dem Foxtrot-Konflikt zugeordnet.

11. September
Ein 13-Jähriger wird in einem Waldstück bei Haninge, südlich von Stockholm, tot aufgefunden. Angaben zufolge soll ihm in den Kopf geschossen worden sein, die Polizei ermittelt wegen Mordes. Bisher wurde niemand festgenommen. Der Junge wird mit mehreren kriminellen Netzwerken in Verbindung gebracht.

12. September
Ein 20-Jähriger wird in Sollentuna, nördlich von Stockholm, erschossen. Er wird in der Nähe eines Waldstückes gefunden, ihm soll in den Kopf geschossen worden sein. Bisher wurde niemand festgenommen.

14. September
Ein 17-Jähriger wird abends im Süden Stockholms angeschossen aufgefunden. Er erliegt im Verlauf der Nacht seinen Verletzungen. Bisher wurde niemand festgenommen.

16. September
Ein 39-jähriger Mann wird westlich von Stockholm in Vällingby erschossen. Er ist draussen mit seinem Sohn unterwegs, als ihm von hinten in den Rücken und den Kopf geschossen wird. Er war der Polizei bekannt. Bisher wurde niemand festgenommen.

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