Mohammed al-Dschulani«Assad-Regime ist tot»: So sieht Rebellen-Chef die Zukunft Syriens
Nach einem überraschenden Vorstoss der Rebellenkoalition konnten sie Assads Truppen aus zwei Städten vertreiben. Im Interview legt der Rebellenanführer seine Vision aus.
Darum gehts
Abu Mohammed al-Dschulani, Anführer der syrischen Rebellenallianz, strebt den Sturz von Baschar al-Assad an und plant ein Regierungssystem auf Basis von Institutionen einzuführen.
Dschulani distanziert sich von extremistischen Gruppen und betont den Aufbau Syriens als langfristiges Ziel.
Die Rebellen haben kürzlich Aleppo und Hama eingenommen und nähern sich Homs, einem strategisch wichtigen Punkt.
Das Ziel der syrischen Rebellenallianz ist nach Worten des Anführers Abu Mohammed al-Dschulani der Sturz von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Das Scheitern sei schon immer im Regime selbst gekeimt, sagte Al-Dschulani dem US-Sender CNN. Die Iraner und Russen hätten versucht, es wiederzubeleben. «Aber die Wahrheit bleibt: Dieses Regime ist tot», so der Rebellenanführer.

Die Rebellen sind am Freitagmittag bereits bis kurz vor Homs vorgestossen.
20MinDabei will er aber nicht bleiben. «Wir sprechen über ein grösseres Projekt – wir sprechen über den Aufbau Syriens», führte Dschulani im Interview mit CNN aus. «Hayat Tahrir al-Sham ist nur ein Teil dieses Dialogs, und er kann sich jederzeit auflösen. Sie ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, um eine Aufgabe zu erfüllen: die Konfrontation mit diesem Regime.»
Institutionen statt einzelner Herrscher
Al-Dschulani plant in Syrien ein auf Institutionen basierendes Regierungssystem zu errichten. Nicht eines, in dem ein einzelner Herrscher willkürlich Entscheidungen treffe, sagte er. «Wir sprechen nicht über die Herrschaft von Einzelpersonen oder persönlichen Launen», sagte der Anführer der islamistischen Gruppe Haiat Tahrir al-Scham (HTS).
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Dies könnte sich als schwieriger herausstellen, als es für Dschulani den Anschein hat. Denn die syrischen Oppositionskräfte sind dezentralisiert und setzen sich aus unterschiedlichen Ideologien zusammen. Ob es einen friedlichen Machtwechsel geben kann, falls Assad besiegt wird, hängt also davon ab, ob sich die verschiedenen Kräfte auf eine gemeinsame Vision einigen können.
Er will sich von Extremisten distanzieren
Dschulani begann seine Karriere als junger Kämpfer für al-Qaida im Irak gegen die USA. Als er während des syrischen Bürgerkriegs in sein Heimatland zurückkehrte, leitete er die Schwesterorganisation der Terrorgruppe in Syrien, die damals den Namen Jabhat Al Nusra trug. Später brach er die Verbindungen zu al-Qaida ab und seine Organisation wurde Anfang 2017 in Hayat Tahrir Al-Sham, auch bekannt als Organisation zur Befreiung der Levante, umbenannt.

Dschulani gibt sich heute als Politiker und versucht sich von extremen islamistischen Organisationen zu distanzieren. Er betonte: «Menschen, die sich vor der islamischen Staatsführung fürchten, haben entweder gesehen, wie sie falsch umgesetzt wird, oder sie verstehen sie nicht richtig», erklärte er.
Homs als nächstes Ziel
Mitte vergangener Woche hatten die Rebellen unter der Führung von HTS die Kontrolle über Aleppo übernommen. Neben mehr als 200 Dörfern und Positionen nahmen sie zuletzt Hama ein. Nächstes Ziel ist das rund 40 Kilometer südlich gelegene Homs, die drittgrösste Stadt des Landes und wichtiger Knotenpunkt auf dem Weg nach Damaskus, zur Mittelmeerküste und in den Libanon.
Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete zuletzt, dass die Rebellen bis auf fünf Kilometer aus nördlicher Richtung an die Stadt herangerückt seien.
Mit Material der DPA
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