Asma al-AssadVon der modernen Frau zur Hassfigur: Das ist Syriens Ex-First-Lady
Sie galt als das moderne, liberale Gesicht des Nahen Ostens und wurde «Lady Di des Orients» genannt. Mit dem Sturz ihres Mannes verändert sich alles. Das Leben von Asma al-Assad zwischen zwei Welten.
Darum gehts
Asma al-Assad (49), geboren in London, heiratete Baschar al-Assad und wurde zur First Lady Syriens.
Ihr Image wandelte sich vom modernen Vorbild zur umstrittenen Figur während des Bürgerkriegs.
2018 erkrankte sie an Brustkrebs, den sie erfolgreich bekämpfte.
Im Mai 2024 wurde bekannt, dass sie an Leukämie erkrankt ist.
Zusammen mit ihrem Mann hat sie drei Kinder.
14 Jahre lang unterdrückte Baschar al-Assad die Revolte in Syrien mit brutaler Gewalt. Doch es dauerte nur elf Tage, bis islamistische Rebellen den Machthaber stürzten. Der Sturz des Regimes bedeutet auch das Ende des luxuriösen Lebens von Asma al-Assad, der Frau des syrischen Diktators. Bereits vergangene Woche soll sie mit ihren drei Kindern Hals über Kopf das Land Richtung Russland verlassen haben.
Doch wer ist die ehemalige First Lady Syriens, die «Lady Di des Orients» und «Rose in der Wüste» genannt wurde? Ein Porträt.
Ihre Kindheit
Asma wurde am 11. August 1975 als Tochter von Fawaz und Sahar al-Akhras in London geboren. Ihr Vater ist ein in der britischen Hauptstadt ansässiger prominenter Kardiologe, ihre Mutter arbeitete als Diplomatin in der syrischen Botschaft. Ihre zwei Brüder folgten Fawaz in eine medizinische Karriere. Die Familie lebte in einem Reihenhaus in Acton im Westen Londons. Nachbarn zufolge wurden die Schwiegereltern von Präsident Assad seit einiger Zeit nicht mehr gesehen, wie die «Daily Mail» berichtet.

Die Eltern von Asma: Sahar und Fawaz al-Akhras.
IMAGO/ABACAPRESSIhre Ausbildung
Ihre Verwandtschaft soll Asma al-Assad in den ersten 25 Jahren ihres Lebens nur von Ferienbesuchen in der Stadt Homs gekannt haben. Ihr Lebensmittelpunkt lag in London. Frühe Wegbegleiter beschrieben sie als «sehr englisch». Gemäss der «Times» besuchte Asma die Twyford Church of England High School und nannte sich während ihrer Schulzeit Emma – weil sie «als modernes Mädchen ohne arabischen Bezug» wahrgenommen werden wollte, zitiert Zeit.de einen Lehrer. Erst mit 16 soll sie zu ihrem echten Namen zurückgekehrt sein. Ihre Matura machte sie am Queen's Collage in Marylebone, wo ein Semester mehr als 10'000 Franken kostet. Anschliessend absolvierte sie am King's College London ein Studium der Informatik und der Französischen Literatur. Sie startete eine erfolgreiche Karriere als Investmentbankerin bei der Deutschen Bank und JP Morgan. Sie hätte möglicherweise ein lukratives Leben in der Finanzbranche führen können. Doch ihr Leben verlief bekanntermassen ganz anders.
Ihr Kennenlernen mit Baschar
Baschar al-Assad und Asma lernten sich – wenig überraschend – in London kennen. 1992 zog der 59-Jährige in die britische Hauptstadt, um eine Ausbildung als Augenarzt zu beginnen. Zwei Jahre später kam jedoch sein Bruder bei einem Autounfall ums Leben und Baschar wurde zum Nachfolger seines Vaters Hafiz aufgebaut, der Syrien seit 1970 regierte.
Im Juni 2000 starb dann auch Hafiz und Baschar beanspruchte die Präsidentschaft nach einer umstrittenen Wahl, bei der er 97 Prozent der Stimmen erhielt. Im Dezember desselben Jahres heirateten Baschar und Asma und sie wurde zur First Lady Syriens. Laut einem Bericht von Reuters war die Assad-Familie nicht begeistert von der Beziehung.
Ihre Kinder
Asma und Baschar haben drei gemeinsame Kinder: die beiden Söhne Hafiz (23) und Karim (19) sowie die Tochter Zein (21).

Baschar und Asma mit ihren Kindern, Tochter Zein und den beiden Söhnen Hafiz und Karim.
AFPHafiz ist nach seinem Grossvater väterlich benannt und studierte Mathematik an der Moskauer Staatlichen Universität in Russland.

Bei einem Besuch in London 2003 posierten Asma und Baschar mit ihrem damals dreijährigen Sohn Hafiz.
IMAGO/ABACAPRESSIhr Image-Wandel
Anfangs wurde die heute 49-Jährige noch als moderne, globale und fortschrittliche Frau wahrgenommen. Mit ihrer Vorliebe für kristallbesetzte Schuhe von Christian Louboutin und Kleidern von Chanel versprühte sie einen Hauch von Luxus im Präsidentenpalast. Auch in den westlichen Medien wurde sie als kultiviert, elegant, selbstbewusst und mit einem «Killer-IQ» beschrieben. Sie sei daran interessiert, Syrien durch Kunst und Wohltätigkeit zu öffnen. 2011 veröffentlichte die «Vogue» sogar einen Artikel über Asma mit der Überschrift «Eine Rose in der Wüste».
«Sie war, wie wir sagen würden, sehr linksgerichtet. Sie machte einen sehr, sehr guten Eindruck. Sie schien sehr intelligent und anderen gegenüber sehr respektvoll zu sein», sagte Gaia Servadio, eine Schriftstellerin und Historikerin, die mit Asma an mehreren Kunstprojekten gearbeitet hat.
Doch spätestens mit dem Beginn des syrischen Bürgerkriegs änderte sich ihr Image drastisch. Während das Regime sein eigenes Volk mit Fassbomben und Giftgas terrorisierte, schwelgte sie weiterhin im Luxus. Anfangs wurde noch spekuliert, dass die offenbar liberale Asma ihren Mann dazu bewegen könnte, die Brutalität einzudämmen. Doch es sickerten E-Mails durch, in denen sie Witze darüber machte, sie sei «der wahre Diktator» in ihrem Haushalt. Dies machte sie für viele in Syrien zur Hassfigur. Ein persönlicher Tiefpunkt für Asma war es, als die «Vogue» den Artikel mit ihr 2012 von der Website nahm, nachdem die Öffentlichkeit heftige Reaktionen auf den Krieg geäussert hatte.
Ihr Luxusleben in Zeiten des Krieges
Abgeschottet vom Leid des Landes lebten die al-Assads im absoluten Luxus. Trotz aller Handelsbeschränkungen schaffte es die Familie scheinbar problemlos, exklusive Produkte aus dem Londoner Edelkaufhaus Harrods zu importieren, wie der «Guardian» berichtet. So gaben sie im Juni 2011 11'000 Franken für Kerzen und Kronleuchter aus, ein Monat davor bestellten sie eine Blumenvase für rund 3000 Franken. Auf der Liste, die der britischen Zeitung vorliegt, sind auch Schuhe von Christian Louboutin für mehr als 4000 Franken aufgelistet, die im Februar 2012 gekauft wurden.

Asma al-Assad lebte trotz des Leides im Land im absoluten Luxus.
IMAGO/ABACAPRESSAls die Rebellen nach dem Sturz von Baschar al-Assad in seinen Präsidentenpalast eindrangen, fanden sie in seiner Garage zudem eine riesige Sammlung von Luxusautos. Ob ein Lamborghini Diablo, ein Mercedes-AMG SLS, ein Aston Martin DB7 oder auch ein Ferrari F50 – kaum eine Marke fehlte. Der Ferrari alleine hat heute einen Wert von bis zu fünf Millionen Franken.
Ihr Kampf gegen Brustkrebs
Im Jahr 2018 wurde bekannt, dass Asma an Brustkrebs erkrankt war. Sie unterzog sich einer Behandlung und zeigte sich anschliessend wieder an der Seite ihres Mannes.

Baschar al-Assad und seine Frau Asma während ihrer Krebsbehandlung im Krankenhaus.
AFPIm Mai 2024 wurde dann bekannt, dass sie an Leukämie erkrankt ist.
Ihr Umgang mit Royals
Als First Lady Syriens pflegte Asma auch den Umgang mit Mitgliedern diverser Königshäuser. Allen voran zum spanischen Hof hatte sie öfters und scheinbar engen Kontakt. So trafen sich Ex-Königin Sofia und Asma regelmässig.
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