Syrer in der Schweiz: «Wenn es sicher ist, gehe ich zurück»

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GeflüchteteSyrer in der Schweiz: «Wenn es sicher ist, gehe ich zurück»

Der Machtwechsel in Syrien bewegt auch die Menschen, die vor dem Bürgerkrieg in die Schweiz geflohen sind. 20 Minuten hat mit ihnen gesprochen.

Die Stimmung auf dem Helvetiaplatz war ausgelassen. Viele hoffen, jetzt wieder nach Syrien zurückkehren zu können.

20 Minuten/Céline Trachsel/Daniel Schnüriger

Darum gehts

  • Auf dem Zürcher Helvetiaplatz feierten rund 100 Menschen den Machtwechsel.

  • Syrische Geflüchtete in der Schweiz hoffen auf eine Rückkehr.

  • Der Sturz von Baschar al-Assad wird von vielen als Chance für Frieden gesehen, es herrscht jedoch auch Unsicherheit.

Rund 100 Menschen haben sich am Sonntagnachmittag auf dem Zürcher Helvetiaplatz versammelt. Sie schwenken syrische Flaggen und jubeln, es sind viele Kinder und Familien dabei. Die Stimmung ist gut: Die Menschen sind zusammengekommen, um den Sturz von Baschar al-Assad zu feiern, dem Diktator, wegen dessen Krieges gegen die eigene Bevölkerung sie vor Jahren aus ihrem Heimatland geflohen sind.

«Wir feiern hier alle, dass Assad aus dem Land vertrieben wurde. Nach 14 Jahren sind wir frei! Endlich kann wieder Frieden einkehren! Endlich, endlich, endlich», sagt eine junge Frau und streckt freudig die Hände in die Höhe. Obwohl die Zukunft des Landes zerbrechlich ist, ist sie überzeugt: «Das Schlimmste ist jetzt vorbei.»

«Bin der Schweiz dankbar, doch ich will zurück»

Auch der 30-jährige Mohammad Nour Alabdullah, der auf den Golanhöhen aufgewachsen ist, und Mohammed Hassan aus dem syrischen Aleppo sind gekommen, um zu feiern. «Ich bin als 16-Jähriger unbegleitet mit dem Schiff von der Türkei über Griechenland gekommen», erzählt Hassan. «Von dort aus ging es zu Fuss und mit dem Auto weiter. Meine Familie lebt sehr verteilt, Teile in Libyen und in der Türkei, ich bin in die Schweiz gekommen.»

Mohammad Nour Alabdulllah (30, links) und Mohammed Hassan (28) hoffen, bald nach Syrien zurückkehren zu können.

Mohammad Nour Alabdulllah (30, links) und Mohammed Hassan (28) hoffen, bald nach Syrien zurückkehren zu können.

20 Minuten

Hier haben die beiden Fuss gefasst. «Ich bin 2013 hier angekommen. Später habe ich eine Ausbildung zum Autolackierer gemacht und bin der Schweiz sehr dankbar, für alles, was ich hier machen durfte. Und trotzdem: Heimat ist Heimat. Alle in meiner Familie sind sich einig: Wenn es für uns sicher ist, werden wir nach Syrien zurückkehren.»

Was sind deine Gedanken zu einem möglichen Machtwechsel in Syrien?

Der 39-jährige Ebrahim Kolak berichtet von einem sonderbaren Gefühl in Bezug auf den Sturz Assads: «Ich fühle einen faszinierenden Zustand, ein einzigartiges Gemisch aus Traurigkeit und Freude.» Der Sturz des Assad-Regimes sei ein Traum gewesen, der unerreichbar schien, und jetzt, da dieser Traum wahr geworden sei, erfülle ihn ein überwältigendes Glück.

Ebrahim Koliak hofft (39) auf eine Zukunft, in der Syrien von Sicherheit, Frieden und Gerechtigkeit geprägt ist, wo Menschen unterschiedlicher Religionen und Konfessionen gleichberechtigt zusammenleben und das Land neu aufgebaut wird.
Trotz seiner Vorsicht gegenüber den politischen Veränderungen bleibt er optimistisch, dass Stabilität und ein besseres Leben möglich sind, was ihm die Rückkehr in seine Heimat ermöglichen könnte.
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Ebrahim Koliak hofft (39) auf eine Zukunft, in der Syrien von Sicherheit, Frieden und Gerechtigkeit geprägt ist, wo Menschen unterschiedlicher Religionen und Konfessionen gleichberechtigt zusammenleben und das Land neu aufgebaut wird.

Ebrahim Kolak

Doch inmitten dieser Freude begleite Ebrahim auch Traurigkeit: «Denn ich habe viele Freunde und Verwandte verloren, und der Schmerz über ihr Fehlen dringt tief in meine Seele ein.» Dennoch möchte er positiv bleiben. «Ich will die Hoffnung tragen, dass uns eine neue Zukunft für Syrien erleuchtet, in der wir unser Land gerecht wiederaufbauen können», sagt er zu 20 Minuten.

Sicherheit und Frieden in ganz Syrien

«Ich wünsche mir, dass Sicherheit und Frieden in ganz Syrien Einzug halten – ein Ort, an dem Menschen verschiedenere Religionen und Konfessionen gleichberechtigt leben und jeder seine Träume verwirklichen kann.» Derzeit sei die Lage jedoch alles andere als einfach. Das Chaos befinde sich in jeder Ecke Syriens.

Was ihn betreffe, so schaue er mit Vorsicht auf die Situation: «In Ländern wie zum Beispiel dem Irak, Libyen und Afghanistan hat sich gezeigt, dass neue Regierungen oft eher einen Rückschritt bedeuten. Sollte es jedoch besser werden und Stabilität sowie Frieden zurückkehren, würde ich eine Rückkehr in Betracht ziehen.» Es bleibe abzuwarten, wie es mit der neuen Regierung weitergeht.

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