Flucht nach RusslandMit Milosevic-Sohn und VIPs: Wo wohnt Assad in Moskau?
Baschar al-Assad ist nach Russland geflohen. Der gestürzte syrische Machthaber wird mit Frau Asma und den Kindern Zein, Hafez und Karim im Millionenluxus leben.
Darum gehts
Baschar al-Assad hat in Russland politisches Asyl erhalten.
Der gestürzte syrische Machthaber soll im Moskauer «City of Capitals»-Komplex untergekommen sein, wo er 18 Luxuswohnungen besitzt.
Die Assads könnten aber auch im Moskauer Vorort Rubljowka wohnen.
Diese Region ist bekannt als «russisches Beverly Hills»: Eine abgeschirmte Enklave für Russlands Elite, darunter Oligarchen und Politiker, aber auch internationale Politflüchtlinge.
Die russischen Medien reagieren kaum auf Assads Ankunft, er sei jetzt eine «politische Leiche».
Wladimir Putin (72) hat Baschar al-Assad (59) politisches Asyl gewährt, aus «humanitären Gründen». Präsident Putin persönlich habe die Entscheidung getroffen, Assad Asyl anzubieten, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag. Wo in Russland sich Assad nach seiner Flucht konkret aufhält, wollte Peskow nicht sagen. Ein Treffen mit Putin sei nicht geplant.
Auch Assads Frau Asma, seine Tochter Zein (22) sowie die beiden Söhne Hafez (24) und Karim (21) sollen bereits in Moskau sein, offenbar sind sie schon seit einigen Tagen dort.
Assad besitzt 18 Luxuswohnungen
Die Familie dürfte sich in Moskau ganz gut auskennen. Assads ältester Sohn ist Doktorand an der Moskauer Staatsuniversität und hat russischen Medien zufolge letzten Monat seine Dissertation verteidigt.
Obdachlos wird die syrische Ex-Herrscherfamilie in Russland nicht. Die Assad-Grossfamilie habe in den letzten Jahren mindestens zwanzig Moskauer Wohnungen im Wert von umgerechnet über 33,6 Millionen Franken gekauft, schreiben britische Medien. So kauften die Assads laut «Financial Times» mindestens 18 Luxuswohnungen im Moskauer «City of Capitals»-Komplex. Jetzt wird spekuliert, ob die Assads auch in diesem Luxuskomplex abgestiegen sind.
«Millionärsghetto», 40 Minuten von Moskau
In dem zweitürmigen Wolkenkratzer wohnen einige der reichsten Geschäftsleute Russlands. Auch Regierungsministerien, Fünf-Sterne-Hotels und multinationale Unternehmen sind dort untergebracht.
Es wird aber auch gemutmasst, dass die Diktatoren-Familie im Moskauer Luxusvorort Rubljowka untergekommen ist. Die Gegend ist als «russisches Beverly Hills» oder auch «Millionärsghetto» bekannt.
Der Bezirk hat viele «gated communities» mit eigenen Wachposten, meterhohen Mauern und Schlagbäumen. In diese Welt kommen Nicht-Bewohner nur mit Sondergenehmigung. Rubljowka ist in 40 Autominuten von Moskau aus zu erreichen.
Autokonvois und VIP-Stau
Allerdings sorgen Autokonvois mit Blaulicht regelmässig für Wartezeiten. Denn auch der russische Präsident wohnt in dieser Gegend, im Anwesen Nowo-Ogarjowo (siehe Box). «Rubljowka ist ein Freiluftmuseum des wilden russischen Kapitalismus, das in keinem Reiseführer verzeichnet ist. Würde sich ein Reisebus in die Gegend verirren, er würde im VIP-Stau stecken bleiben», schrieb «Die Welt» im Jahr 2008.
Die Lage südlich des Moskwa-Ufers ist seit Jahrzehnten begehrt: Inmitten von Nadelwäldern ist der Luxusvorort mit eigener Shoppingmall und Bugatti-Autohändlern ein Erholungsort mit guter Anbindung an das Moskauer Zentrum.
Ukrainische Autobombe und Drohnen
Es überrascht wenig, dass der mutmasslich ukrainische tödliche Autobombenanschlag auf Daria Dugina, Tochter des Kreml-Propagandisten Aleksandr Dugin, sich in der Nähe des Luxusvororts zutrug. Dass diese hermetisch abgeriegelte Welt der Reichen angreifbar sein könnte, erschütterte viele Russen 2022. Als dann im Mai letzten Jahres auch noch ukrainische Drohnen Siedlungen in Rubljowka trafen, ging der Nimbus der totalen Sicherheit der russischen Elite etwas verloren.
Einige Rubljowka-Bewohner:
Der Sohn des früheren Serben-Führers Slobodan Milošević, Marko, besitzt Immobilien im Komplex «Gorki-8».
Jan Marsalek, der gesuchte Ex-Vorstand des deutschen Skandalkonzerns Wirecard, wohnte lange nur wenige Kilometer von Verteidigungsminister Sergej Schojgu entfernt.
Der ehemalige ukrainische Präsident Wiktor Janukowytsch wohnt seit seiner Flucht aus der Ukraine 2014 in einem 52-Millionen-Dollar-Anwesen in Barwikha, einem Teil von Rublyovka.
Auch Alexander Masljakow, ein bekannter russischer TV-Moderator, oder der Glamour-Regisseur Nikita Michalkow besitzen ein Haus in Rubljowka.
Der Milliardär Roman Abramowitsch hatte mit seiner britischen Baufirma Millhouse Capital bei Rubljowka gleich eine ganze Siedlung finanziert. Die Architekten sollten diese «gemütlich» und «im gregorianischen Stil» bauen.
Dmitri Medwedew, Russlands Ex-Präsident und einer der lautesten Hetzer gegen den Westen, wohnt im Komplex Gorki-9.
Wiktor Solotow, ehemaliger persönlicher Sicherheitschef von Putin und Leiter der russischen Nationalgarde, residiert in einem Anwesen in Rubljowka.
Die Milliardäre und engen Putin-Vertrauten Arkadi und Boris Rotenberg besitzen Immobilien in der Region.
Auch Moskaus einstiger Oberbürgermeister Juri Luschkow ist in Rubljowka daheim.
Die Nachricht über die Ankunft des gestürzten syrischen Machthabers in Moskau hat in russischen Medien wenig Echo geschweige denn Begeisterung ausgelöst. «Herzlichen Glückwunsch an Herrn Assad», kommentiert die russische Plattform Topwar die Nachricht, dass nun auch der syrische Machthaber im Nobel-Vorort residieren soll.
Assad werde sein zukünftiges Leben «gut genährt und ruhig» verbringen, «irgendwo in Rubljowka, neben Janukowitsch». Mehr gebe es über ihn nicht zu sagen – «ausser dass er jetzt dieselbe politische Leiche ist wie der ehemalige Staatschef der Ukraine».
Wladimir Putins Luxuswelt
Wladimir Putin wohnt seit 2000 in einem riesigen Anwesen in Nowo-Ogarjowo nahe des Moskauer Luxusvororts Rubljowka. Von hier aus soll er am liebsten arbeiten. Putin liess das Anwesen immer weiter ausbauen: Neben einer eigenen Eisenbahn zeigen Satellitenbilder neue Gästehäuser, ein Spital und einen Sportkomplex. 2006 liess Putin über Offshore-Firmen mehrere Grundstücke in der Nähe aufkaufen: Zwei Villen für seine älteste Tochter Maria, ein Anwesen für seine jüngere Tochter Katherina und ein Anwesen für seine Ex-Frau Ljudmila.
2021 hatte die unabhängige russische Nachrichtenplattform MBK News von einer neuen Grossbaustelle auf Putins Anwesen berichtet. Ein Sprecher des Kremls dementiert das umgehend. Wenige Tage später wurde die Website von den russischen Zensurbehörden gesperrt, die Redaktion musste schliessen.
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