Vom Augenarzt zum Diktator: Das ist Baschar al-Assad

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SyrienVom Augenarzt zum Diktator: Das ist Baschar al-Assad

Baschar al-Assad regiert Syrien seit dem Jahr 2000 mit eiserner Hand. Der Arzt und Familienvater übernahm mit 34 Jahren die Macht von seinem Vater.

Syriens Diktator Baschar al-Assad regierte 24 Jahre.

Syriens Diktator Baschar al-Assad regierte 24 Jahre.

IMAGO/SNA

Darum gehts

  • Baschar al-Assad ist seit 2000 Präsident Syriens, nachdem er seinem Vater Hafiz al-Assad nachfolgte.

  • Der Bürgerkrieg in Syrien begann 2011 nach brutalen Reaktionen auf friedliche Proteste.

  • Internationale Akteure wie Russland, die USA, die Türkei und der Iran spielen eine entscheidende Rolle im Konflikt.

  • Syrien ist heute stark zerstört, mit Millionen von Flüchtlingen und einer zusammengebrochenen Wirtschaft.

Das Regime des syrischen Diktators Baschar al-Assad (59) steht unter massivem Druck. Internationale Medien spekulieren, dass Kremlchef Wladimir Putin seinen Verbündeten fallen lässt. Die Familie Assads sei bereits aus Syrien ausgereist, während vom Norden Syriens die islamistische Rebellenallianz Haiat Tahrir al-Scham (HTS) vorrückt.

Wer ist Baschar al-Assad?

Baschar Hafiz al-Assad wurde am 11. September 1965 in Damaskus geboren und ist seit dem Jahr 2000 Präsident Syriens. Nach einem Medizinstudium an der Universität Damaskus spezialisierte er sich in London auf Augenheilkunde. Doch der plötzliche Tod seines älteren Bruders Basil, der als politischer Nachfolger seines Vaters Hafiz al-Assad vorgesehen war, zwang Baschar, in die Fussstapfen der Familie zu treten.

Baschar al-Assad ist seit dem Jahr 2000 Präsident von Syrien.

Baschar al-Assad ist seit dem Jahr 2000 Präsident von Syrien.

IMAGO/Xinhua

Wie kam er an die Macht?

Hafiz al-Assad, der von 1971 bis 2000 Syrien regierte, bereitete seinen ältesten Sohn Basil als Nachfolger vor. Doch dessen Tod bei einem Autounfall im Jahr 1994 änderte alles. Baschar, der bis dahin kaum politisches Interesse zeigte, wurde in Windeseile auf die Machtübernahme vorbereitet. Nach Hafiz' Tod im Jahr 2000 liess das Parlament das Mindestalter für das Präsidentenamt senken, um Baschar die Amtsübernahme zu ermöglichen. Mit Unterstützung des Militärs und der Partei wurde er ohne ernsthafte Opposition gewählt.

Assad übernahm die Macht im Juni 2000 im Alter von 34 Jahren. Zu diesem Zeitpunkt hofften viele Syrer auf Reformen und eine Liberalisierung des autoritären Systems. Doch diese Erwartungen wurden enttäuscht: Unter Assads Führung verstärkte sich die Dominanz der regierenden Baath-Partei, die seit 1963 die politische Landschaft Syriens kontrolliert.

Hafiz al-Assad, der Vater und Vorgänger von Baschar im Jahr 1987.

Hafiz al-Assad, der Vater und Vorgänger von Baschar im Jahr 1987.

Imago

Seine Familie

Baschar al-Assad ist mit Asma al-Assad (49) verheiratet, einer gebürtigen Britin mit syrischen Wurzeln. Sie arbeitete vor ihrer Ehe als Investmentbankerin in London. Das Paar heiratete im Jahr 2000, kurz nach Baschars Amtsantritt. Gemeinsam haben sie drei Kinder: zwei Söhne und eine Tochter. Asma al-Assad gilt als umstrittene Figur – sie wurde lange als «First Lady der Moderne» vermarktet, steht jedoch aufgrund ihrer Unterstützung für das Regime und ihres luxuriösen Lebensstils während des Krieges in der Kritik.

Asma al-Assad, Syriens First Lady.

Asma al-Assad, Syriens First Lady.

IMAGO/Newscom / El Pais

Warum brach der Bürgerkrieg aus?

Im März 2011 brachen in Syrien Proteste aus, die von den Aufständen des Arabischen Frühlings inspiriert waren. Demonstranten forderten mehr politische Freiheiten und ein Ende der Korruption. Assads Regierung reagierte mit brutaler Gewalt. Die anfänglich friedlichen Proteste eskalierten zu einem bewaffneten Konflikt. Zahlreiche Rebellengruppen formierten sich, darunter säkulare Kräfte, islamistische Milizen und später der sogenannte Islamische Staat (IS).

Der Konflikt entwickelte sich schnell zu einem internationalen Stellvertreterkrieg mit verheerenden humanitären Folgen. Nach Schätzungen starben Hunderttausende Menschen – Millionen wurden vertrieben.

Der sogenannte Islamische Staat sorgt seit dem Bürgerkrieg in Syrien für Angst und Schrecken.

Der sogenannte Islamische Staat sorgt seit dem Bürgerkrieg in Syrien für Angst und Schrecken.

imago images / United Archives International

Welche Rolle spielen die internationalen Akteure?

USA: Die Vereinigten Staaten unterstützten zunächst moderate Rebellen, sahen sich jedoch in einer komplexen Lage: Während sie Assads Sturz anstrebten, wollten sie gleichzeitig den IS bekämpfen. Die US-Interventionen konzentrierten sich zunehmend auf den Norden Syriens, wo sie kurdische Kräfte wie die YPG unterstützten. Dies führte zu Spannungen mit der Türkei.

Russland: Moskau ist seit Beginn des Bürgerkriegs einer der engsten Verbündeten Assads. 2015 griff Russland militärisch in den Konflikt ein, um das Regime zu stabilisieren. Russische Luftangriffe zielten offiziell auf Terrorgruppen, trafen jedoch häufig zivile Ziele und oppositionelle Kämpfer. Assads Machterhalt gilt als strategischer Erfolg für Russland im Nahen Osten.

Türkei: Die Türkei verfolgte eigene Interessen und unterstützte sunnitische Rebellen, während sie gleichzeitig die kurdischen Milizen bekämpfte, die sie als Bedrohung für ihre nationale Sicherheit betrachtet. Türkische Truppen marschierten mehrfach in Nordsyrien ein, um Pufferzonen zu schaffen.

Iran: Teheran ist ein zentraler Unterstützer Assads und sieht Syrien als strategisches Bindeglied zu seiner Hisbollah-Miliz im Libanon. Iranische Waffen, Gelder und Milizen spielten eine entscheidende Rolle bei der Stabilisierung des Regimes.

Baschar al-Assad und Wladimir Putin. Russland gilt als einer der wichtigsten Verbündeten des Assad-Regimes.

Baschar al-Assad und Wladimir Putin. Russland gilt als einer der wichtigsten Verbündeten des Assad-Regimes.

IMAGO/ITAR-TASS/ Sipa USA

Wie steht Syrien heute da?

Nach mehr als einem Jahrzehnt Krieg ist Syrien ein zerstörtes Land. Während Assad zunächst die Kontrolle über grosse Teile des Landes zurückerlangt hat, blieben Teile des Nordens unter der Kontrolle von Kurden und Rebellen. Die Wirtschaft liegt in Trümmern, Millionen Syrer leben als Flüchtlinge, internationale Sanktionen verschärfen die Krise.

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