CS-Übernahme: Ist die neue UBS für die Schweiz zu riskant?

Aktualisiert

Klumpenrisiko«Da kommt ein Monster auf uns zu» – ist die neue UBS für die Schweiz zu riskant?

Die neue Schweizer Superbank ist so gross, dass der UBS-CS-Deal viele Bedenken hervorruft. 

Die UBS wächst mit dem Kauf der CS zur Mega-Bank.
Die Bilanzsumme der beiden Banken betrug letztes Jahr zusammengezählt 1648 Milliarden Franken.
Alleine in der Schweiz betreiben UBS und CS 300 Filialen.
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Die UBS wächst mit dem Kauf der CS zur Mega-Bank.

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Darum gehts

  • Nach der Übernahme der CS wächst die UBS zur Mega-Bank.

  • Jetzt wächst die Angst vor einem Klumpenrisiko.

  • Wenn die neue UBS fällt, wäre das weltweite Finanzsystem gefährdet.

Mit dem UBS-CS-Deal entsteht eine der grössten Banken weltweit: Falls es keine Entlassungen gibt, vereint sie über 120’000 Angestellte, der kombinierte Umsatz liegt bei 50 Milliarden Franken, alleine in der Schweiz betreiben UBS und CS 300 Filialen. 

Die Bilanzsumme der beiden Banken betrug letztes Jahr zusammengezählt 1648 Milliarden Franken. Das ist über das doppelte des Werts aller Waren und Dienstleistungen, die die gesamte Schweiz pro Jahr herstellt – das Schweizer Bruttoinlandsprodukt lag 2022 bei 771,22 Milliarden Franken.

«Die Bank ist für die Schweiz viel zu gross»

Die Schweiz müsse nun darüber diskutieren, «ob sie sich so ein Monster leisten kann, da kommt ein Moloch auf uns zu», sagt Peter V. Kunz, Professor für Wirtschaftsrecht an der Uni Bern. Er zeigt sich erstaunt darüber, dass Finma und Weko die Fusion überhaupt zulassen.

Die Bank, die nun entstehe, sei zu gross, um im Notfall gerettet zu werden, sagt Kunz. Im Notfall könnte das nicht mal die Nationalbank, so der Bankexperte im Livetalk von 20 Minuten. Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter twittert, dass «Bundesrat und Parlament dieses riesige Klumpenrisiko rechtlich neu beurteilen müssen».

«Die UBS will in Amerika eine grosse Rolle spielen», sagt Lukas Hässig, Bankenkenner und Gründer des Finanzblogs Inside Paradeplatz. Die Bank sei in der Führungsetage stark von Amerikanern dominiert und «mehr und mehr eine amerikanische Bank». Für die kleine Schweiz sei sie viel zu gross, so Hässig.

Ist die neue Bank für die Schweiz ein zu grosses Risiko?

Doch wie geht es nun weiter? Was droht bei einem Untergang der neuen Monsterbank?

Szenario 1 – Mega-UBS geht unter

Wenn auch die neue Bank untergeht, wäre die Stabilität des Finanzsystems nicht nur in der Schweiz, sondern auf der ganzen Welt gefährdet, sagt Jean Meneveau, Managing Partner und Gründer von Colombus Consulting in der Schweiz. «Ob es sich nun um die UBS, die CS oder das neue fusionierte Institut handelt, ein Konkurs ist unter allen Umständen zu vermeiden», so Meneveau.

«Sollte die Bank zusammenbrechen, würde das Finanzsystem stark in Mitleidenschaft gezogen», sagt auch Guillaume Naud, Investment-Manager bei der Bieler Investmentboutique Haute Capital Partners. Darum hätten sich die Schweizer Behörden in Abstimmung mit anderen Zentralbanken wohl so stark engagiert.

Der Wohlstand der Schweiz komme aber nicht nur vom Bankensektor, sagt Naud. Sondern vom Mix aus Bildung, dem Gesundheitswesen, der funktionierenden Demokratie, der Stabilität und den «fairen Steuern». Auch die Pharmazie, der Maschinenbau und Luxusgüter seien wichtig für das wirtschaftliche Wachstum.

«Wenn es schief laufen würde bei der UBS, dann wäre es wie in Island, als die Leute nach der Bankenkrise plötzlich wieder am Fischen waren», sagt Bankexperte Hässig.

Szenario 2 – Die neue Bank spaltet sich auf

Der emeritierte Bankenprofessor Hans Geiger weist darauf hin, dass die CS eigentlich aus mehreren Banken bestanden habe, die unter einem Namen aufgetreten seien. Es gebe das Geschäft in der Schweiz, das Asset-Management für die institutionellen Anleger, das internationale Private Banking und die Investmentbank.

Er hält es für möglich, dass sich die neue Bank aufspalten oder zumindest einen Teil seines Geschäfts abstossen wird. Sicher sei, dass die Bank in der heutigen Form keine Zukunft mehr habe und so nicht weiter existieren könne, sagt Geiger.

International werde die neue Bank wohl das Beste von CS und UBS zusammenführen, sagt auch Meneveau. Er geht davon aus, dass die Fusion für die internationalen Aktivitäten anders gehandhabt wird als in der Schweiz. In der Schweiz seien zum Beispiel Entlassungen komplexer zu handhaben als im Ausland. 

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